Darf ich mich vorstellen,


 

ich bin Maxi,

mit größter Wahrscheinlichkeit der schönste 

bayerische Schwarzhaardackel  chilenischen Ursprungs, 

den es je gegeben hat!

 

 

Mein Fell glattseiden, die zierlichen Pfoten und die Brust dazu 

passend ist schwarz, braun-gelb abgesetzt.

 

 

Von meinen Augen ganz zu schweigen.

Ich kann mit meinen braunen ausdrucksvollen Augen das Herz vieler Zweibeiner erweichen, wenn ich eigentlich wegen meiner Streichen eine Strafe zu erwarten hatte...

Ganz besonders wichtig ist natürlich der lange Schwanz: steil nach oben gerichtet, wenn ich zum Angriff übergehe, der zwischen die Beine eingeklemmt, wenn ich mal, das kommt natürlich selten vor, einen geordneten Rückzug antreten muss. Gewedelt wird, wenn ich um gut Wetter bitten muss.

Mein Stammbaum sei nicht einwandfrei nachgewiesen, darum habe ich auch keinen so feinen Namen mit auf die Welt bekommen, ich heiße kurz und bündig Maxi und jeder im Viertel ruft mich bei diesem Namen, wenn ich meine einsamen Streifzüge durch die Gärten unternehme, Katzen jage und mich mit Straßenkötern anlege.

 

Ich kam also in Santiagoder Hauptstadt Chiles zur Welt

(ca. 1970)

 

(Chile heute)

 

Ich hatte viele Geschwister

 

und musste mich ordentlich drängen, um an die Quelle der köstlichen Milch zu kommen, die aus den Zitzen der  Mama saugen konnte. Dass ich früh lernte, mich durchzusetzen, hat mir übrigens später in meinem abenteuerlichen Leben sehr geholfen.

Wie der Chilene sagt: Durch Vernunft oder durch Stärke

Ich kam in ein schönes geräumiges Haus und gewöhnte mich sehr schnell an die neue Umgebung, an Herrchen, mit dem ich in Chiles Bergen viel erleben sollte, an das Frauchen, wir hatten uns besonders ans Herz geschlossen, diese Freundschaft hatte natürlich eine solide Grundlage: Sie füllte mir den Fressnapf

und das nicht zu schlecht.

Aber wir verstanden uns auch aus anderen Gründen besonders gut, Sie ist wie ich Chilenin! Die vier Kinder hatten mich und ich die Vier, sehr schnell ins Herz geschlossen… Wir hatten einen herrlichen Garten, wohlriechend mit Orange + Feigen und Avokadenbäume und

 

aus den Blüten saugten die winzig kleinen Kolibris den Honig.

 

Ich lernte sehr früh, mich nützlich zu machen, auch wenn es Frauchen manchmal gar nichts so zu gefallen schien. Mal zerfetzte ich fachgerecht ein Kissen, zerbiss Pantoffeln oder gar die hohen Absätze von Frauchens Schuhe.

 

Letzteres war ein hartes Stück arbeit aber gut für meine Zähne.

Meinen morgendlicher Rundgang in der Avenida de la Gloria, nach dem morgendlichen Aufbruch der Kinder, in die Schule und in den Kindergarten, unternahm ich täglichen durch unsere Straße. An jeder Ecke schnuppere ich nach neuen Briefen. Wieder kein Liebesbrief von den Schönen in der Nachbarschaft. Trotzdem hebe ich mein linkes Bein, um mit einem gezielten Strahl ein paar gefühlvolle Zeilen an sie zu schreiben. Steter Tropfen höhlt, so sagen die Zweibeiner zu Recht, den härtesten Stein! Geduld ist leider angesagt.

Gegenüber blinzelt mir der große Pluto zu. Ich wedele kurz mit dem Schwanz. Wir verstehen uns gut. So manchen Kampf haben wir Schulter an Schulter, d.h. er eine Etage höher, im Kampf gegen die Eindringlinge, die Straßenköter aus den ärmeren Vierteln, die in unseren Müllkübeln nach Essensresten suchen, durchgefochten... Da gab es immer wieder große Kämpfe mit der wilden Meute der Eindringlinge. Die Hunde aller möglichen Rassen in unserer Straße vereint: vom schnellsten Windhund aller Zeiten mit dem so vornehmen Namen „Häufchen auf der Wiese“, über den kampferprobten deutschen Schäferhund Heino und die beiden beiß-wütigen Terrier, dem auch von Zweibeinern gefürchteten Dobermann Udo, bis zu dem unter der Hitze arg leidenden Labrador Harald, standen da ihren Mann. Schwerverwundete, ja Tote hätte es gegeben, wenn nicht unsere Gärtner mit ihren voll aufgedrehten Garten-Schläuchen

uns regelmäßig auseinander getrieben hätten.

Aha, da kläfft Fiffi, das Schoßhündchen von neben an,

hinter den verzierten Gittern der prächtigsten Villa im Viertel... Im Winter zieht ihr ihr Frauchen sogar ein Pelzbesetztes Mäntelchen an. Sie muss dann höllisch aufpassen, dass die bösen Buben nicht über das Gitter klettern und ihre Fiffi samt Mäntelchen und goldenem Halsband entführen. Dann wäre ein hohes Lösegeld fällig.

Aha, jetzt wird’s spannend. Da kommt der Briefträger, dieses Mal mit einem großen Paket unter dem Arm auf unser Haus zu. Was für eine wunderbare Gelegenheit, ihm zu zeigen, wie ein aufmerksamer Wachhund seine Pflichten wahrnimmt. Sobald er sich der Haustüre näherte, fuhr ich ihm blitzschnell zwischen Hose und Schuh und kriege ihn mit meinen spitzen Zähnen an seinem linken Knöchel zu fassen...

 

Er schreit auf vor Schmerz, lässt das Paket fallen, flucht laut und erwischt mich, was für ein Pech, gerade noch am Schlawittchen. Über unsere Gartenmauer hat mich der brutale Kerl mit aller Kraft geschleudert. Aber da kommt schon das Frauchen eiligst hergelaufen. 

Pflaster, Jod und Wundsalbe hat sie gleich mitgebracht, selbstverständlich auch mit einem Gläschen Schnaps und etwas Schmerzensgeld. Letztere wirken, das habe ich in ähnlichen, ja gar nicht so seltenen Situationen, bei denen ich eine gewisse Rolle gespielt hatte, festgestellt, wahre Wunder. Ich verziehe mich derweil, mit eingezogener Rute versteht sich, schleunigst in den hintersten Winkel.

Und in den Blumenbeeten machte ich mich nützlich. Wie ein richtiger Gärtner grub ich sie gründlich um, aber während er dafür sogar Geld bekam, wurde ich mit viel Geschimpfe davon gejagt, versteht ein Hund diese verrückten Zweibeiner.

 

Verstand haben DIE nicht für 5  Hühnerknochen.

Jagen das war von Angang an meine Leidenschaft! Allerdings ist Herrchen ganz streng dagegen. Wenn ich nur beginne, hinter einem Hasen her zu spüren,

nimmt er mich prompt an die Leine.

 

Jagen ist für unsereins in Chile streng verboten, wenn der Amo kein Jäger ist. Aber wenn Herrchen mir mit solchen Belehrungen kommt, dann höre ich einfach nicht hin. Schließlich bin ich ja ein Dackel und habe also solcher so meine ganz eigenen Ideen. Einmal hätte es allerdings fast ein böses Ende genommen. Ihr müsst nämlich wissen, dass ich auch gern vorbeifahrende Blechkisten – die Menschen nennen sie Autos - jage. So ein Auto, dem ich ein bisschen Angst einjagen wollte, ist mir dummerweise nicht ausgewichen und plötzlich befand ich mich unter ihm, überschlug mich mehrmals und kam mit leicht verkürztem Schweif und einer kleinen Kopfwunde auf der anderen Seite wieder zum Vorschein. Der Amo hat sich furchtbar aufgeregt. Viel ist ja gar nicht passiert.

Einen Dackel an die Leine nehmen welch eine Demütigung für einen freien Dackel!

 

Ich rate Euch, wenn Ihr wieder einmal zu lange, meistens vergeblich, hinter einem Hasen herjagd oder tief unten im Bau mit einem Fuchs gebalgt habt, dann müsst ihr, die bewährte Dackel-Demutshaltung einnehmen:

Kriecht auf dem Bauch, lasst die Ohren hängen, senkt den Kopf, zieht den Schwanz ein, nur ein bisschen damit wedeln.

Wichtig ist, den “Unschuldigen Augenaufschlag” zu üben.

 

Der wirkt meistens Wunder!

 

Eines Tages feierte die Kinder wieder einmal mit ihren Freunden aus dem Kindergarten und der Schule einen Geburtstag. Besonders beliebt war damals das Eisenbahnspiel: Klingelingeling die Post ist da. Sofia, die Älteste, führte den Zug als Lokomotive an. Hinter ihr folgten alle auf den glatten Fließen auf ihren Popo´s rutschenden Kinder, die sich gegenseitig an den Schultern fest hielten. Ich war natürlich auch von der Partie. Mit den Zähnen hängte ich mich an den Gürtel des letzten “Waggons“ und bildete so das Schlusslicht des Bummelzugs. Ab ging die Reise durch alle Schlafzimmer, zum Salon und von dort zum Ess-zimmer, der Endstation.

Am meisten liebte ich natürlich Spaziergänge. Wenn der Chef des Hauses nach den Kindern schrie, die Ausflüge gar nicht so liebten, wie ich, dann wusste ich: jetzt geht´s los. Schnell in`s Auto gesprungen das Fenster wurde aufgemacht, und ich konnte meinen Kopf herausstrecken und die Autos anbellen, die es wagten, uns zu überholen oder zu nahe zu kommen!

 

Am schönsten war es, wenn wir in die Berge fuhren, Ihr müsst wissen, dass dieses Land mit seinem himmelhohen Bergen, Wäldern, Flüssen und Gletschern, Seen und Wüste einmalig schön ist.

 

In Chile ist der Sommer lang, trocken und warm; so ganz hoch hinauf kam ich selten. Was war das aber für ein Gaudi, an den Hängen zu jagen und nach Maulwürfen zu graben. Manchmal begegnete ich diesen scheusslichen Biestern, den Schlangen, Pfoten weg davon!

 

Ich habe da unliebsame Erfahrungen gemacht.

Schwindelfrei muss ein guter Klettermax natürlich sein. Zum Glück konnte ich, da ich etwas kurzsichtig bin, die tiefen Abgründe, die sich unter mir auftaten, nicht sehen. Dafür aber habe ich eine gute Nase, nicht nur für die tausend Düfte, die das Hundeleben erst richtig interessant machen; ich wittere auch, wenn Gefahr im Anzug ist.

Dass Bernhardine

 

Verschüttete in den Alben aus Lawinen buddeln, das wisst Ihr sicher. Damit kann ich nicht aufwarten. Aber ein Leben habe ich dennoch gerettet, wenn auch auf ganz andere Weise.

 

Fragt nur mein vorwitziges Herrchen!

 

Und da sind wir schon mitten drin in unserer  ersten Geschichte. 

Die Sonne verkroch sich, als Amo und ich nach stundenlangem Aufstieg endlich die letzte Höhe erklommen hatten, bereits hinter der gegenüberliegenden Bergkette. Herrchen, wie Zweibeiner so sind, ohne Instinkt und mit wenig Vernunft begabt, wollte unbedingt in das nächste Tal absteigen, dessen Grund in der Dämmerung gar nicht mehr zu erkennen war. Offenbar hatte er da unten doch noch einen Weg entdeckt, auf dem er bequemer zu unserer Blechkiste (sprich Auto) zurückzufinden glaubte. Während er sich nun von Busch zu Busch den steilen Abhang hinuntertastete, war es sehr schnell stockduster geworden. Ich selbst sah auch nicht mehr als meine Schnauzenspitze. Aber meine Nase lässt mich, wie gesagt, nie im Stich. Auch meinen Ohren kann ich stets vertrauen. Selbst ein Mistkäfer der gemächlich durch das Gras krabbelt, wird noch registriert.

Und nun, plötzlich vermelden Nase und Ohr keine Gerüche und auch keine Geräusche mehr in mein Gehirn. Nur tief unten im Tal ist noch das Rauschen des reißenden Bergbaches zu vernehmen. Halt Maxi, jetzt heisst aufgepasst, sagte ich mir. Da ist doch unter uns, zum Greifen nah, eine verhängnisvolle Lücke in der Landschaft.   

Also nichts wie zurück! Ich hatte absolut keine Lust, auf einmal ins Leere zu tappen und zusammen mit Herrchen eine Felswand hinunterzusegeln. Der aber bekam mit seiner Elefantenhaut überhaupt nichts mit von der drohenden Katastrophe. Zweibeiner, dieses antennelosen Wesen, das habe ich in all den Jahren immer wieder feststellen müsen, sind in der Wildnis ohne unsereins wirklich völlig aufgeschmissen, gerade so wie zwei Tagealte Hundebabies. Ich musste aber, mein Frauchen hatte mich streng in die Pflicht genommen, Herrchen stets heil und sicher von unseren Ausflügen nach Hause bringen.

Bis heute hatte das immer gut geklappt, nur gerade jetzt, im Moment der höchsten Gefahr war guter Rat wirklich teuer.

Ich sprang an ihm hoch und kläffte verzweifelt in den höchsten Tönen;

 

einen Stein hätte das gerührt!

Er aber ging stur weiter in Richtung   Abgrund. Als er schließlich merkte, dass ich partout zur Umkehr drängte, nahm er mich einfach auf dem Arm. In meiner höchsten Not blieb mir nichts anderes mehr übrig, als ihn kräftig in die Hand zu beißen.

 

Aha, das wirkte.

Merkt Euch das Rezept. Endlich hatte es gefunkt. Er schrie vor Schmerz laut auf und ließ mich wie eine heiße Kartoffel auf die harte Erde fallen. Ich nahm ihm das nicht weiter übel. Das Wichtigste war ja, dem Himmel sei´s gedankt, dass ich ihm wenigstens ein Licht aufstecken konnte, mit mir, das sah er endlich ein, ging es keinen Schritt mehr weiter.

Endlich gab er sich geschlagen. Zweibeiner sind übrigens ganz miese Verlierer. Wir Hunde schütteln uns nur kurz, wenn es, wie leider häufig, nicht nach unserem Willen geht. Aber dann haben wir den Ärger auch gleich weggesteckt. Herrchen dagegen beklagte sich lauthals über meinen Dackel-Dickschädel und trat nur sehr widerstrebend den in seinen (gefahrenblinden) Augen schmählichen (aber doch auch lebensverlängernden) Rückzug an.

Auf dem Heimweg habe ich dann vorsichtshalber das Kommando übernommen.  Zur Strafe für seinen - im wahrsten Sinne des Wortes – bodenlosen Leichtsinn ließ ich ihn hinter meinem als  Wegzeichen hoch erhobenen Schwanz

 

durch die dornigsten Büsche kriechen. In Schweiß war er gebadet, zerkratzt  von oben bis unten, als wir schließlich in tiefster Nacht uns in das Auto fallen lassen konnten. Diese, ich gebe es offen zu, etwas drastische ausgefallene Lektion hat er bis heute nicht vergessen!

Am nächsten Wochenende haben wir dann, zusammen mit Frauchen und den Kindern, die senkrecht aufragende Felswand, so hoch wie der größte Wolkenkratzer von Santiago, vom Tal aus in Augenschein genommen. Ganz oben, auch für Menschenaugen kaum zu erkennen, dort bei dem großen Baum unmittelbar über dem Abgrund hatte ich im allerletzten Moment so erfolgreich zugebissen.

 

Herrchen wurde noch im nachhinein ganz kreidebleich und zittrig. Viel Lob habe ich mir eingeheimst. Aber viel wichtiger war mir die Extraportion, die ich mir, wie ich meine, redlich verdient hatte: Ein saftiges Stück Fleisch und als Draufgabe ein schöner, großen und kräftiger Ochsenknochen.

 

Den habe ich wie es sich für ein Dackel mit etwas Grips im Kopf gehört, gleich in mein Versteck unter dem Hibiskusstrauch, ganz hinten in der Gartenecken, geschleppt und schön tief eingebuddelt.

Wir zogen wieder einmal los, Herrchen und ich, dieses Mal auf den Hausberg von Santiago, den steilen Manquehue.

 

Das Jagdrevier kannte ich schon ganz gut, als ich plötzlich weiter oben eine Pferdeherde entdeckte. Eigentlich sind Pferde kein typisches Dackel-Jagdwild, aber man kann ja mal sehen, wie die auf meine Stimme reagieren, vielleicht kann man sie ins Bockshorn jagen. Gesagt, getan. Erst heißt es Höhe gewinnen, um von oben laut kläffend auf die Herde herunterzustoßen.

 

Der Erfolg war überwältigend!

Das Donnern der Hufe hättet  Ihr hören  sollen! Wie in einem guten Western stürmte die Herde dahin und ich immer auf ihren Fersen; 

 

nicht ganz einfach, laut zu kläffen und gleichzeitig Luft zu holen!

Irgendwo im Unterbewusstsein höre ich Herrchen schreien, was Solls - bei so einem verwegenem Jagdvergnügen soll man sich nicht stören lassen.

Jetzt galoppieren sie den Abhang wieder hoch, da komme ich nicht mit, also, Schnauze halten, damit sie sich beruhigen, einen Haken um sie herumschlagen und wieder geht die Jagd mit viel Gebell los! Schlimm war nur, dass nach einigen solchen erfolgreichen Manöver

ein Guano (chilenischer

Cowboy)  

 

auftauchte. Mich  beinahe über den Haufen ritt. Ich erreichte noch schnell einen rettenden Dornenbusch und verzog mich schnellstens in Richtung Auto. Herrchen war damals, wenn ich mich recht erinner, ganz besonders schlecht auf mich zu sprechen!

 

In den chilenischen Bergen, in der mit ewigem Schnee bedeckten Kordillere

 

habe ich so manches erlebt.

Noch ein Abenteuer, soll ich es Euch erzählen? 

Das Abenteuer bleibt mir in besonderer Erinnerung. Noch heute läuft es mir eiskalt meinen langen Rücken entlang, wenn ich nur daran zurückdenke.

Für ein schönes Frühlings-Wochenende hatte sich Herrchen etwas besonderes ausgedacht. Wir fuhren in seiner brummenden Blechkiste in das Maipu-Tal

 

nicht weit von Santiago.

Dort, an der Mündung des Manzano-Baches standen schon Maultiere  bereit,

 

die die faulen Zweibeiner bis hoch hinauf zur Almhütte am Fuss des mächtigen

San Ramon

 

tragen sollten, der seine weiße Wintermütze noch nicht abgelegt hatte. 

Es war richtig zum eifersüchtig werden, wie die beiden Mädchen Sofia und Pilar die mir gar nicht sympthischen Huftiere streichelten und mit Zuckerstückchen fütterten, obwohl sie noch keinen Schritt getan hatten! Endlich setzte sich die kleine Karawane in bewegung. Mir blieb genug Zeit, durch die Büsche und zwischen den Kakteen

herumzustöbern, um nachzusehen,

ob die Rebhüner

schon ihrer Eier legten 

 

und die Junghasen

 

bereits das Laufen lernten. Denen machte ich dann Beine!

 

Die Felswände auf beiden Seiten des Baches rückten näher, so dass der Himmel kaum noch zu sehen war.

Wohl oder übel musste ich jetzt hinter der  Karawane hertrotten, natürlich im gebührenden Abstand, denn schliesslich wollte ich nicht wie ein Wurm von den Maultierhufen zertrampelt werden. Plötzlich war vor uns ein ohrenbetäubendes Tosen und Donnern zu vernehmen, wie ich es noch nie in meinem Leben gehört hatte. Hoffentlich stürzen nicht die Berge ein und begraben uns unter sich, dachte ich mir noch, aber da tauchte schon hinter der nächsten Bergnase zwischen den Bäumen ein Wasserfall auf. Ihr könnt Euch gar  nicht vorstellen, was für Mengen  von kühlem Nass über eine riesige Felsplatte hinunter  in eine tiefe Gumpe stürzten!

 

Mir sträubten sich richtig die Haare, so unheimlich war mir dieses Schauspiel. Weiter oben in der düsteren Schlucht mussten wir dann den Manzano durchqueren. Im Sommer war das sicher ein Kinderspiel, aber jetzt während der Schneeschmelze hatte sich das Rinnsal in einen reissenden Bergbach verwandelt. Sogar die Maultiere holten sich nasse Bäuche, als sie die Furt durchwateten. 

Nach mir schaute sich niemand um, als sie das andere Ufer erreichten.

 

Man hatte mich wieder einmal einfach vergessen! 

Mein Gebell kam gegen das Rauschen des in einen reissenden Flus verwandelten Baches nicht an. Was blieb mir anderes übrig, als mich todesmutig in die Fluten zu türzen? Angst war für mich damals noch ein unbekanntes Wort und Schwimmen hatte ich im letzten Sommer zusammen mit den Kinder, allerdings nur in unserem Schwimmbad gelernt. Also hinein in die eiskalten Fluten. Ich paddelte nach Kräften mit meinen, für diese Fortbewegungsart nicht besonders geeigneten Dackel-Pfoten. Mein langer Schweif diente mir als Steuer. Vergeblich versuchte ich mit ihm Kurs zu halten. O weh, so sehr ich auch strampelte, ich kam dem anderen Ufer nicht näher. Ehe ich mich versah, begann nun meine Höllenfahrt. In rasendem Tempo wurde ich über Felsbrocken geschleudert, hin und her gestossen und im Kreise gedreht, dass mir fast Hören und Sehen verging. Das Donnern des Wasserfalls konnte ich allerdings deutlich vernehmen. Es kam beängstigend schnell näher. Da wurde ich auch schon über die Felsplatte hinweggespült und in die Tiefe gerissen.

 

Ich dachte, die Welt geht unter. Bis auf den Grund der Gumpe wurde ich hinuntergetaucht.

Statt Luft schluckte ich Wasser, mehr als ein Kamel vor einem Wüstenritt.

 

Wartete schon das Hundeparadies auf mich? Petrus wird mich wohl hereinlasse, dachte ich mir noch. Schliesslich hatte ich doch, wenn ich die paar gerupften Hühnchen nicht mitzähle, ein fast reines Gewissen! Aber ehe ich die Besinnung ganz verlor, geschah ein Wunder:

jemand – das konnte nur Herrchen sein – packte mich am Schlafittchen und schon hatte ich wieder festen Boden unter meinen steifgefrorenen Pfoten. Die allgemeine Freude über meine Rettung war unbeschreiblich, so gross wie das schlechte Gewissen darüber, dass man sich an der Furt nicht um mich gekümmert hatte. Man streichelte und umarmte mich. 

Ich aber gab schnellstens, 

 

wie ein Wasserspeier, das viele kühle Nass wieder von mir, denn schließlich wollte ich mir nicht den Magen verkühlen und Platz schaffen für die vielen Leckerbissen, die man mir jetzt zusteckte. 

 

Doch mein grösstes Abendteuer bestand mir noch bevor…

 

Meine Zweibeiner wollten die berühmte Atacama-Wüste kennenlernen.

 

Also wurde alles in einer größeren Blechkiste, die Kinder nannten es Caravan, gepackt und ab ging es in Richtung Norden.

Ich interessiere mich nicht besonders für die Landschaft aber die Entzückungsrufe meiner Zweibeiner waren nicht zu überhören: schau diesen herrlichen Strand,

 

diese wilde Feldsküste, diese himmelhohen Berge, zunächst noch grün und jeweiter wir in den Norden kamen immer kahler und immer farbiger. Das könnt Ihr Euch in Europa gar nicht vorstellen: kein Baum, kein Strauch kein einziger Grashalm noch schlimmer ... kein Schatten!!!   in den man sich vor dieser brennenden Sonne retten könnte.

 

Doch irgendwann machte diese endlose erscheinende schnurgerade Straße eine scharfe Kurve

und siehe da ein Tal mit Palmen

tat sich auf.

 

Wir fahren zum Meer

 

Der Caravan blieb im Sand stecken,

 

wäre bei Flut fast abgesoffen.

Herrchen blieb mit seinem komischen  Surfbrett,    (dem Ersten überhaupt in Chile)

 

irgendwo draussen auf einer Insel hängen und erschien erst am späten abend wieder, aber über so etwas regen sich nur die Zweibeiner auf.

 

Weiter gings an dieser Menschenleeren Küste entlang durch die Wüste Richtung Norden.

 

nach zwei Tagen kamen wir auf eine neue, noch gesperrte Strasse. 

Mutterseelen allein waren wir nun in dieser grossartigen Landschaft.

 

Rechts zweittausend meter hohe Berge, links ein tief blaues Meer zahlreiche stille Buchten. 

Plötzlich fährt Herrchen zum Entsetzen von Frauchen von der Straße weg, hinunter an den Strand. Wir kamen noch ganz gut runter. Es sah doch alles so solide aus. Aber plötzlich ist Sense. Die Räder graben sich bis zur Achse ein …

 

Herrchen stört das überhaupt nicht. Er geht tauchen und bringt immer stattliche Fische, wie zb. Muräne,

 

und Zackenbarsch

 

und andere Fische

aus der Tiefe zurück 

Verhungern brauchen wir also nicht, aber Wasser ist knapp, ein halber Kanister etwas mit Öl versetzt, das ist alles. Eine dreiviertel Tüte Milch für Xaver, den Kleinsten, gerade aus dem Krabbelalter heraus, ist auch noch da. Herrchen, von Sofia und Konstantin unterstützt, gräbt die Räder frei, und legen Steine unter. Außerdem lässt er auch noch etwas Luft aus den Reifen. Alle diese bewährten Tricks helfen nicht weiter und kein Zweibeiner weit und breit zu sehen. Es wird Abend, die hohen Berge verschwinden in der Dämmerung und die Sonne im Pazifik.

Bald geht der Mond auf, taucht die Umgebung  in ein ganz eingenartiges Licht, die Luft ist so klar, wie ich es im Süden nie erlebt habe.

 

Die Sterne sieht man so deutlich.

 

Selbst meine Zweibeiner vergessen bei diesem Anblick für den Moment ihre Sorgen bald aber schlafen sie erschöpft ein. Ich beziehe Wache bin ich doch verantwortlich dass ihnen nichts geschieht. Aber noch bleibt es ruhig. Kein Puma

nähert sich uns. Nur der Pazifik plätchert leise vor sich hin.

Gegen Morgen, als es langsam dämmert, sehe ich ganz oben am Steilhang, 1000m über uns, einen grünen Streifen. Dort ist Leben, wo die Manchaca, die hier häufig auftretende Nebeldecke, die wir dem Humbladt-Strom verdanken, die Berghänge immer wieder verhüllt.

Dort bildet sich genug Tau, so dass Pflanzen und Tiere existieren können. Das ist auch ein guter Lebensraum für

Guanakos

 

Doch halt, ich traue meinen Augen nicht, Herrchen hat ihn auch schon entdeckt. 

Vetter Fuchs

ist von den Berg herunter gekommen und fängt sich gerade sein Frühstück, 

schon hat er eine kräftige Krabbe

 

am Wickel. Die sei ihm gegönnt und wieder gehts nach einem für uns eher kargen Früstück an die Arbeit Erfolg gleich null. Mittag´s hören wir plötzlich ein Brummen: “Hurra, hurra!” schreien meine Zweibeiner, “Hilfe hilfe!” und winken mit den Armen, Soldaten fahren vorbei und winken freundlich zurück, verschwinden wieder in einer Staubwolke.

So langsam wirds ungemütlich, Frauchen wird nervös, Herrchen geht tauchen und begegnet in der Bucht

einem leibhaften Hai-Teeager. 

Die Kinder vergügen sich mit Muschelsammeln Krabben beobachten und merken von der doch schon dramatischen  Lage kaum etwas, aber wie soll es nur weitergehen?

 

Eine zweite zauberhafte unvergesslich schöne Nacht. 

 

Eigentlich ist es doch für unser Einer ein herrliches Gefühl, zu wissen, dass keine unbekannte Zweibeiner weit und breit ihr Unwesen treiben.  Hier ist noch alles so, wie der liebe Gott es geschaffen hat. Eigentllich gar nicht so schlecht.

Nur das Wasser wird knapp. Meine Ration war recht kümmerlich. Da legt man sich tagsüber am besten unter das gestrandete Auto. 

Am  dritten  Tag tut sich wieder nichts. Zu essen gibt´s wie immer Fisch und ein paar Kekse.

Herrchen hat die glorreiche Idee die beiden Ältesten, Sofia und Konstantin, hinauf zur Strasse zu schicken dort mit den Schalen der grossen Choro-Muscheln 

 

gut sichtbar auf einem Hügel als Rettungszeichen:

socorro ayude nos, (zur Hilfe rettet uns)

auszulegen. Kaum war die Zwei mit ihrem Meisterwerk fertig, da kam auch schon ein Lastwagen, mit vielen Menschen auf der Ladefläche, angefahren. Sie deuteten dieses Mal unser Winken richtig. Ihren Wagen wohlweisslich auf der Piste lassend kamen sie alle herrunter und siehe da unserer Blechkiste bewegt sich, nach grosser anstrengung von allen Zweibeinern, wieder von allein.

War das eine freude, umarmt haben sich alle immer wieder.  Wir waren gerettet!

 

Über den Loa 

 

fuhren wir, den längsten Fluss Chiles, der sich von den höchsten Bergen an der bolivianischen Grenze, hoch in der Kordillere in grossen Schleifen durch die Wüste kämpft von ihren Mineralien aber soviel Gift mit auf den Weg bekommt, dass man sein Wasser nicht trinken kann. Wüste nichts als Wüste doch halt wir kamen auf die Hochfläche jenseits der Vorkoreillere und da tauchen plötzlich Wälder auf.

 

Die Tamarugos  die nur vom Grundwasser leben.

 

Viel gäbe es von dieser Reise noch zu erzählen:

von den Möven, sie legen, da es in der Wüste keine Räuber gibt, ihre Eier hundert von km vom Meer entfernt einfach in die Wüste, von kleinen Oasen in den alle Früchte dieser Welt wuchsen,

von den Geysiren

(Geysire sind morgens zwischen 6 und 8 Uhr aktiv.) 

hoch oben mitten in der Eiseskälte.

 

Die nächste  Station  war die große Kupfer - Mine El  Salvador (der Retter) 

 

Von dort ging es in Begleitung von zwei Carabineros

 

zu den höchsten Bergen, schon fast an der argentinischen Grenze.

 

Berge wie der Ojo Salado  (salziges Auge), der zweithöchste Berg ganz Amerikas

 

waren zum greifen nahe.  Die schreckliche Höhenkrankheit, die Frauchen und Sofiechen da oben auf über viertausend Meter erwischt hatte, zwang  uns noch vor der Laguna Verde in der Nähe des Grenzübergangs nach Argentinien zur  Umkehr.

Unsere beiden Blechkisten hielten immer wieder an. Die Ausblicke waren zu phantastisch: auf die teilweise mit Gletschern und jetzt im bolibvianischen Winter bezuckerten höchsten Gipfel, (die Sommer-Regenzeit im Osten des Kontinents schwappt gelegentlich herüber bis zur westlichen Bergkette der Kordillere), auf die Penitentes-Felder, das sind meterhohe Schneesäulen auf den steilen Südhängen und auf die Farbenpracht der nahezu kahlen Berge, rings um. Tief Unten in den Ebenen zwischen den Bergen glitzerten die Salzseen.

Ich nutzte einmal so eine Pause, um mir die Füße zu vertreten und ein klein wenig herum zu stöbern. Halt, da war ja eine interessante, heiße Spur! Am Ende gar ein Guanaco?

 

So einen Vierhufer hatte ich noch nie gejagt. Der fehlt mir noch in meiner Sammlung als Grosswildjäger. Doch ehe ich diese Frage klären konnte, hörte ich den Motor des Wagen aufbrummen            

UND … weg sind sie in einer riesigen Staubwolke eingehüllt.

Jetzt ist es also geschehen.

Mein grosse Abenteuer, das ich gar nicht gesucht hatte, begann.

 

Keine Menschenseele weit und breit!

Haben sie mich einfach vergessen?

 

Am besten ich laufe brav auf der Piste weiter. Irgendwann wird schon eine Staubwolke auftauchen. Mehre Stunden vergehen die Sonne, die in dieser Höhe einen nie so richtig erwärmt, versinkt hinter den Bergen

 

in allen Farben leuchtend von violett blau bis rosa und grün alle Farben sind zu haben.

Aber was nützt das mir jetzt?

Doch jetzt … jetzt höre ich in der Ferne Motorengeräusche auch die obligate Staubwolke ist zu sehen. Ich belle was ich kann, gallopiere was das Zeug hält, aber ich traue meinen Augen nicht, der Wagen bleibt einen Moment stehen  und  kehrt wieder um, langsam versti rbtdas Motorengeräusch.

 

Sie haben mich nicht gesehen und die Suche aufgegeben. Auf schnelle Rettung ist jetzt also nicht mehr zu hoffen! 

Soll ich nun einfach alle viere von mir strecken und warten,

bis der Kondor,

 

meine sterblichen Reste zerhackt?

Das würde vielleicht so ein Schosshündchen einfallen, ein Maxi ist aus anderem Holz geschnitzt. Nachdem ich an einem kleinen Rinnsal meinen grossen Durst gestillt hattte, suchte ich für meine müden Glieder ein sichere Ruhestätte unter einem Felsvorsprung mit gutem Ausblick über das Tal. Hu eissig kalt wird es hier oben in der klaren Vollmondnacht. Da hilft auch kein zusammenrollen. Aber vor Kummer und Anstrengung bin ich so müde dass ich bald einschlafe. In meinen Träumen bin ich in einer anderen Welt.

Ach was gab es doch in Santioag für schöne Dinge: einen voller Essenstopf und eine kuscheliges Körpchen nicht zu vergessen die Liebkosungen meiner lieben Kinder, wie lange mag ich wohl so geträumt haben?

Die halbe Nacht?

Der Mond ist untergegangen und über den höchsten Kämmen der Kordillere, dort, wo Chile aufhört und Agentinen beginnt, wird es schnell heller, wie das im hohen Norden so ist. Ein strenger, mir keineswegs unbekannter Geruch steigt mir in die Nase, das kann nur Gevatter Fuchs sein, der sich zur frühen Morgenstunde auf die Jagd begibt.

 

Mal sehen, vielleicht kann er mir noch etwa beibringen. Von der Jagd werde ich ja künftig leben müssen. Misstrauisch äugt er zu mir hinüber, so ein Wesen wie mich hat er wohl noch nie in seinem Leben gesehen.

Genau die vorgeschriebenen Ritualien beachtend gingen wir vorsichtig aufeiannder los. Den Schweif als Zeichen der Furchtlosigkeit und Verteidigungsbereitschaft

 

Schlieslich stehen wir uns gegenüber: ich muss zugeben er sieht nichts schlecht aus, kein Hungerleider, sondern ein stolzer Vetter mit schönem dichten braungelben Fell und 

 

einem Prachtexemplar von Rute.

Seine Augen verraten mehr neugier als Drohnung oder Feindschaft. Auch das leichte wedeln mit dem Schweif bedeutet, wenn ich die Fuchssprache richtig versteh, manche Zeichen sind unserem recht ähnlich: lasst uns einander beschnüffeln: In kurzen Sprügen

 

 

prescht er jetzt davon und ich hinter ihm her. Er schlägt einen Haken, aber ich bleibe ihm auf den Versen. Offenbar ist er mit diesem Teil der Prüfung bald zufrieden: ich werde ihm ein guter Jagdgefährte sein. Ich habe schliesslich einen Bärenhunger. Aufs geht´s: Ein mühseliges Geschäft ist das Jägerleben ja schon, wenn man es nicht aus Hobby betreibt, sondern um sich den knurrenden leeren Magen zu füllen. Wenn es ums Überleben geht, dann muss man etwas zurückstecken. Noch ehe die Sonne über den Bergen aufgeht, erscheint eine ausgewaschsene Maus

 

vor ihrem Loch, sie wittert und äugt nach allen Seiten, aber uns, gut im hohen Gras versteckt, hat sie nicht entdeckt. Am Anfang springe ich viel zu früh und nicht gezielt genug. Immerhin in kurzer Zeit ehe es richtig Tag wird und die Mäuse in ihren Löchern bleiben haben wir wenigstens ein kleines Frühstück für uns und die Fuchs Familie zusammen. Ich folge ihm zu seinem Bau, der auf halben Hang unter einem Felsen hinter einem Busch versteckt liegt. Den Platz hat er oder vielleicht schon sein Grossvater gut ausgesucht.

Vor dem Bau balgen sich drei Füchse,

 

die den Papa mit grossen Hallo begrüssen.

Zunächst beäugten mich die drei kleinen Welpen etwas ängstlich, aber ich habe ja ein Herz für Kinder und das müssen sie gespürt haben und bald sind wir die besten Freunde und spielen die schönsten Spiele zusammen. Besonders hat es ihnen mein Schweif angetan. Weil er nicht so buschig ist wie der ihren wollen ihre Lachanfälle kein Ende nehmen, eigentlich beleidigend, denn ich bin ja so stolz auf meinen schönen Schweif und alle Rassengenossen, die ich bis jetzt getroffen habe, waren richtig neidisch auf mein schönes Stück. Eigentlich bin ich von dem ungewohnten Mäusefrühstück nicht recht satt geworden. Mein Magen knurrt noch immer und meine Zunge liegt mir wie ein Stück trockenes Holz … ach was gäbe ich jetzt für einen Napf frischen Wassers. Hundeflocken und einen saftigen Knochen.

Nur nicht daran denken.

Ich muss hier in der Wüste, im Hochgebirgeüberleben und da sind solche Träume nur störend. Wenn Fuchs und seine Familie hier in dieser Einöde überleben, dann müsste ich es doch eigentlich auch schaffen.

Das Abendbrot bringt keine grosse Abwechslung. Wieder diese scheusslichen Mäuse und noch eine Eidechse.

 

Richtig unwieder ist mir diese Hungerdiät. Zoro der Fuchs, tröstet mich.

Morgen früh kann ich Tau vom Gras schlürfen und dann gehts auf Chinchilla-

 

Jagd das, so versichert er mir, sind wahre Leckerbissen.

Scheu sind die Bister. Wie Schlangen mussten wir uns am Morgen lautlos durchs Geröll schleichen und in guter Position oberhalb ihrer Höhlen Wache schieben. Schliesslich erschien so ein Chinchiller-Nager vor seiner Höhle witterte nach allen Seiten und begibt sich ohne uns zu entdecken auf Nahrungssuche. Der Sprung von Zoro geht fehl. Aber der Rückzog in seine Höhle habe ich ihm abgeschnitten. Da bleibt nur noch die Flucht und da hat er gegen uns zwei keine Chancen. Im Triumpf schleppen wir unsere fette Beute zum Bau.

Für mich beginnt eine neues Leben, ein Leben ohne Herrchen und Frauchen ohne Zweibeiner und Autos und ohne Fressnapf! Jeden Tag geht die Jagd wieder los. Jagen um zu überleben. Ohne die gute Schule Meister Zoro wäre ich nach ein paar Tagen elendig verhungert - aber allmählich bin ich ihm auch ganz nützlich. Beim jagen teilen wir uns meistens die Arbeit, ich stöbere und er lauert dann dem Wild an einer passenden Stelle auf.

 

Besonders lustig ist die Jagd auf  Pijukenes.

 

eines Tages sehen wir Indiio, 

 

die mit einer kleinen Schafherde in der Ferne über die Berge ritten, hinauf zur Laguna Verde. Sollte ich mich ihnen anschließen? Wer weiß, vielleicht halten sie mich für einen Leckerbissen und verspeisen mich einfach.  Das ist zu gefährlich.

 

Aber irgendwann gegen Ende de Hochsommers, ich traute meinen Augen nicht, kommt eine Staubwolke

 

die Piste vom Pass herunter.

Da war für mich kein Halten mehr!!! Kaum sagte ich noch Tschüss, vielen Dank für die Gastfreundschaft und schon raste ich den Hang herunter. Aber die Blechkiste war schneller als ich. Als ich in die Nähe der Piste kam, zog die Staubwolke bereits an mir vorüber. Mein Gebell war im Motorenlärm untergegangen. Mit hängenden Ohren trottete ich wieder zurück.

Von diesem Tag an war ich nie mehr ganz bei der Sache. Ich träumte zu viel von Herrchen, Frauchen und den Kindern! Deshalb sagte ich eines Tages meinen Freunden Lebewohl. Aber war es nicht glatter Wahnsinn, mutterseelenallein einfach aus dem zwar eiskalten, aber doch dank Schnee Eis, Schmelzwasser belebten Hochgebirge in die erbarmungslose Wüste hinunter zu marschieren, nur von der vagen Hoffnung beseelt, doch eine Menschenseele anzutreffen, bevor ich elendiglich verdurste. Ich trotte die ganze Nacht dahin, erst am großen

Salzsee Maricunga 

 

mit seinen rosa-roten Flamingos 

 

entlang

 

Ein eisiger Wind wehte vom nahen Codocedo (4.600m)

 

 

herüber und im Mondlicht glänzten hinter mir im Süden die Schneefelder des Ojo Salado an der argentinischen Grenze (6.900m). Ein ungutes Gefühl, so mutterseelenallein durch die zwar grandiose, aber doch zimmlich Dackelfeindliche Landschaft zu trotten. Vielleicht nimmt der Puma, wenn er nichts Besseres findet, mit mir Vorlieb. Kein Laut war zu hören.

 

In dieser Nacht schaffte ich den Pass und hinunter in die Quebrada (Trockental) La Koipa. Glücklicherweise fand ich, ehe die Sonne über dem Codocedo aufging doch noch eine Wasserstelle. Langsam kam ich hinunter von den Bergen. Der Nachtwind pfiff nicht mehr so eisig von den Höhen herunter, da war ein penetranter Geruch in der Luft. Nicht weit von hier weg müsste ein Kadaver liegen. Aas ist zwar nicht gerade nach meinem Geschmack. Immerhin vielleicht lohnt es sich doch, einmal nachzuschauen. In der Not frisst der Teufel Fleigen, aber Dackel in Not auch Aas. Aber was ich dann gleich sah, ließ mir das Blut in den Adern erstarren. Zwei resige Kondore über und über mit Blut befleckt, teilten sich die Reste des Gunanaco- Kadavers.

 

Für mich werden sie nichts übrig lassen, außer ein paar Schnabelhiebe. Den Appetit hat mir das gruselige Schauspiel jedenfalls ganz verdorben. 

Noch bin ich ganz gut zu Fuss und bis zum Tagesanbruch schaffe ich es bis zur Einmündung der Quebrade de Cerro Bravo die vom Berg gleichen Namens (Wilder Berg 5280m) herkommt, der weit im Norden die anderen Berge eindrucksvoll überragt.

 

Auf der Südseite blickt der mächtige Cerro de La Guanca auf mich herunter. (4550m)

 

Ich befinde mich jetzt schon in der nahezu Pflanzen losen, lebensfeindlichen Wüste. Immerhin, etwas  Kraft  hatte ich bei meinem Leben in der Fuchs-Familie  doch gewonnen  und  damit  auch  wieder  Lebensmut. Da sehe ich etwas weiter lauter weisse Flecken in der hier sandigen Stelle. Als ich näher komme traue ich meinen Augen nicht. Da sitzen seelenruhig Möven mitten in der Wüste. Schickt der liebe Gott die wie dem Moses und seinen Israeliten Manan in die Wüste? Ich schleich mich an und erwische so einen schlaftrunkenen Vogel. Zäh ist das Fleisch und fisschig schmeckts. Aber die Eier, auf denen die Möve gebrütet hat, 

 

haben es mir besonders angetan. Immerhin, etwas Kraft hatte ich gewonnen und damit auch wieder Lebensmut.

 

Irgendwo musste also das Meer sein und davor die Panamericana  (30 000 km erbaut 1936)

 

die grosse Strasse die von Alaska bis nach Südchile alle amerk. Länder an der Westküste des Kontinente  verbindet. Auf ihr fahren allerhand Autos, irgendeiner wird sich doch meiner erbarmen, wenn ich mit erhobener Pfote um einen Lift bitte. Aber ich denke schon wieder viel zu weit. Noch befinde ich mich Frauchen-Herrchen-Kinder-seelen allein in dieser schrecklichen Wüste. Also weitermarschiert. Jetzt geht es ständig bergab. Diese Trockenheit. Mir wird ganz schwindlig im Kopf. Plötzlich sehe ich vor mir eine herrliche Landschaft, einen See umgeben von frischen grünen Bäumen, Weiden und Büschen. Ich laufe, was meine müden, abgewetzten Füsse hergeben. Aber das schöne Bild löst sich bald in nichts auf. Ich bin auf eine Fata Morgana hereingefallen.

Hoffentlich geht der Todeskampf

 

nicht zu lang! Mit Mühe und Not schleppe ich mich wieder unter einen Felsen und schliesse die Augen, wahrscheinlich für immer denke ich gerade noch…kann ich meinen Augen trauen?

Einen leibhaftigen Zweibeiner sehe ich des Weges ziehen. Er kommt - besonders munter scheint er auch nicht zu sein - auf der anderen Seite des Trockentales herunter.

Jetzt oder nie. Ich versuche zu kläffen... Aber aus dieser trockenen Kehle kommt kein rechter Laut mehr heraus. Also stolpere ich hinter ihm her und es glingt mir sogar ihn nach kurzer Zeit einzuholen. Er ist völlig sprachlos dieser Zweibeiner, 

 

wie ich mich schwanzwedelnd vor ihm im Staub wälze. “Von wo in aller Welt kommst dieses seltsame Vieh denn her? So ein Bist gibts doch im ganzen weiten Norden meines Vaterlandes nicht!” Aber ich bin kein Gespennst und auch nicht gefährlich. Das scheint er zu kapieren. Er jagt mich auch nicht weg, sondern duldet, dass ich hinter ihm hertrotte. 

Zwei Stunden mögen wir so dahingestolper sein. Da verlässt er die Strasse und geht auf eine Felswand zu. Eine grosse Höhle tut sich vor uns auf und da ja da muss es irgenwo Wasser gebe ich spüre es am ganzen Leib.

Eine Tonne

 

steht da. Am liebsten wäre ich hinein gesprungen.

Von da an begleite ich mein neues Herrchen, den Pirquinero auf seiner Wanderung durch die Wüste. Er sucht nach Goldadern in den Felswänden und nach Goldkörnern 

 

in den trockenen Bachbetten. Immer gibt`s irgendwo in einer Höhle verborgen eine Wasser -tonne. Seinen Proviant teilt er redlich mit mir. Wir sind bald Freunde geworden, wenn ich ihm in dieser völlig leblosen Umgebung auch nicht nützlich sein kann. 

Was sehe ich da bei einem meiner kleinen Ausflüge? Lauter weiße Flecken auf einer mächtigen Düne. Als ich näher komme, traue ich meinen Augen nicht. Da liegen wieder lauter Möwen-Eier im Sand.

 

Mama Möwe macht es sich leicht. Sie überlässt das Brutgeschäft der Sonne, denn da ist ja weit und breit niemand – außer mir und den Pirquinero - unterwegs, der die Eier stehlen könnte... So kann sie derweil mehr als hundert km westwärts auf dem  Pazifik Fischfang betreiben. Schickt der liebe Gott, wie dem Moses und seinen Israeliten Manna in die Wüste? Die angebrüteten Eier haben es mir, aber auch Panchito, dem ich zu diesem Frühstück eingeladen hatte, köstlich geschmeckt. Als ich mich aber auch für die frisch geschlüpften Möwen-Küken 

 

ringsum zu interessieren begann, ist mir das sehr schlecht bekommen. Mama und Papa Möwe, auch Onkels und Tanten der Küken, die mit Fischen in den Schnäbeln für ihren immer hungrigen Nachwuchs vom der Küste her geflogen kamen,  stürzten sich auf mich, 

 

bereit mich in Hackfleisch zu verwandeln. Da half nur sofortige Flucht Hals über Kopf. 


Weiter geht’s kreuz und quer durch die hier meist felsige, in allen  Farben leuchtende Wüste. Aber je stärker sich der Sack des Pirquineros mit goldhaltigen  Brocken füllte, desto leichter wurde die Proviant- Tasche, deren Inhalt er jetzt ja mit mir teilen musste. Schließlich steuerten wir eine Ansammlung von Baracken

an, einem Treffpunkt  der auf eigene Rechnung und Risiko arbeitenden Goldsucher. Sie bestand – das ist das Wichtigste: aus einer Kneipe, einem Laden und einer Ansammlung  von Wasser-Fässern. Für Wasser musste man dort teuer bezahlen. Da fiel es den Goldsuchern nicht schwer, sich gleich für Bier oder Whisky zu entscheiden... 

Dort hörte Panchito von einem anderen Pirquinero von der Vermißten-Anzeige auf der letzten Seite des schon wochen alten Provinzblättchen. Ein Foto von mir gab es offenbar zu sehen und 3000tausend Pesos

sollte mein Finder als Belohnung erhalten, wenn er mich bei den Carabineros in der Mine El Salvadorab lebend abliefern würde. Die Pirquineros zeigten plötzlich verdächtiges Intresse an mir. Das fehlt noch, dass mich eine dieser finsteren Gestalten mich ergreift und mit mir Richtung Salvador verschwindet. Die Aussicht auf den ausgelobten, saftigen Finderlohn machte meinem Panchito sehr schnelle Beine; also kein mit dem mühsam gewonnenen Gold bezahltes Besäufnis mit Seinesgleichen, sondern gleich geht es weiter, mit dem nächsten Minen-Truck nach San Salvador.

Dort wurde ich von den Carabineros mit offenen Armen empfangen. Zwei von ihnen kannten mich ja schon von der gemeinsamen Expedition in die Hoch-Kordillere. Mein Pirquinero hatte schon ein paar Tränen in den Augen, als er sich von mir verabschiedete. Wir waren auf unserer gemeinsamen Wanderung durch die Wüste gute Kumpel geworden. Aber der gleich ausgezahlte Finderlohn hatte seinen Abschiedsschmerz dann doch erheblich vermindert.

Von dieser Männerriege in Uniform und von der Köchin in der Kantine wurde ich sehr verwöhnt. Lästig war nur, dass ich ständig  von jemanden in die Arme genommen wurde, weil man sich mit dem plötzlich berühmten Wüsten-Dackel fotografieren lassen wollte. Mir wurde das zu viel und ich vermisste meine Zweibeiner sehr, vor allem die Kinder.

Aber eines Tages wurde ich dann auf den Flugplatz der Mine von Salvador gebracht und dort in eine fliegende Blechkiste der Fuerzas Aereas Chilenas geladen. Dort durfte ich direkt neben dem Piloten Platz nehmen. Na, so ein Flug ist nicht nach meinem Geschmack. Das Motorengedröhne ist für meine zarten Ohren unerträglich und wer garantiert mir, dass diese Blechkiste mit Flügeln 

  nicht plötzlich in den Abgrund rast?

Wie erleichtert war ich, als ich in Santiago von dem guten Freund meines Herrchens, Dr. Prayon, direkt an der geflügelten Blechkiste abgeholt wurde und dann in seinem Haus von Dona Christina und der Köchin Maria sehr verwöhnt wurde...

In Santiago gab ich auch eine Pressekonferenz. Ihr habt sicher die Berichte über meine Abenteuer gelesen und die Fotos gesehen. Ich verstehe nicht, warum ich nicht vom Fernsehen entdeckt wurde. Immerhin hat der große Tierschützer und Freund meines Herrchens, Godofredo Stutzin mir unter dem Titel „Odiseia Canina§ in der wichtigsten Zeitung Chiles einen Kommentar gewidmet.

Das unglaubliche Leben von Maxi     

titel   die Zeitung     U´LTIMAS NOTICIAS am 24.April 1977

Meine Chilenischen “Adoptiveltern”

 

Das hatte bisher noch kein Vierfüßler geschafft !

 

Eines Tages, ich glaube, es war der 22.April, begann mein nächstes grosse Abendteuer.

Tränereicher Abschied von Percy, Christina und Maria. Dann fand ich mich sehr bald mit einem anderen Dackel und dessen Herrin in einem Flugzeug der LAN Chile

 

wieder. Diese alte Dame gefiel mir und so drängte (biss) ich schnell den anderen Dackel von ihrem Schoss. Dort hatte ich es während der endlos langen Reise über Meere, Wüsten, Berge und Wäldern dann eigentlich recht gemütlich. Zum fressen gab es reichlich. Ich wurde bedient wie die Zweibeiner. Allerdings wurde es mir strikt verboten zu bellen. Ich durfte auch in keiner Ecke dieser grossen fliegenden Bleckkiste das Bein heben.

Endlich kamen wir wieder auf die Erde. Aber dort war es gar nicht nach meinem Geschmack. Keine Bäume, keine frische Luft, viele Zweibeiner in endlosen Gängen. Da gab es Männer in grünen Uniformen, die meinen Pass anschauten. Stellt Euch vor: ich hatte einen richtigen chilenichen Pass, wie die Zweibeiner.

Und dann, oh, Wunder, hatte ich plötzlich einen mir so bekannten, lange vermisten Geruch in der Nase.

Mein Amo muss ganz in der Nähe sein!

Da ist er ja! Fast hätte ich die Leine zerrissen.

Laut gebellt und gewinselt hab ich. Ich habe mich dann auf dem Rücken gewälzt und mit allen Vieren gestrampelt.

 

wie ich es immer mache, wenn ich mich über irgend etwas besonders freue.

Da gab es kein Halten mehr. Vor lauter Freude und Rührung hatte ich dann die ganze Flugzeughalle unter Wasser gesetst. Nach dem langen Flug ohne Pinkelpause hatte ich ja reichlich Vorrat getankt.

Auch ihm, dem Amo sind die Tränen gekommen.

Wo aber waren die Herrin und die Kinder, besonders meine Soferle, die mir so oft im Traum erschienen ist und der Xaverle, den ich von seiner Geburt an gehütet hatte?

Erst hieß es´mal wieder Abschied nehmen von der Dackel-Herrin und dann ging es über große Autobahnen mit unendlich vielen kleinen und riesigen Blechkisten durch ein Land, das so verschieden ist von unserem Chile. Viel habe ich davon allerdings nicht gesehen, denn der lange Flug und das Wiedersehen mit meinem Herrchen hatten mich total erschöpft.

Endlich hält  die Blechkiste vor einem kleinen Haus und die Türe geht auf.

Da sind sie alle, die ich so lange vermisst hatte, auch die Landsmännin Anna... Gut, dass ich dank der langen Fußmärsche in der Kordillere und in der Wüste so gut in Form war. Sonst hätte ich vor Freude sicher ein Herzschlag bekommen.

Da  herrschte ein unbeschreibliches Durcheinander. Alle haben geheult und gewimmert, geschrien und gelacht vor Freude. Ich wurde von allen umarmt und geküsst. Ein Wunder, dass ich dabei nicht erdrückt wurde. Die Kinder hatten ja keine Ahnung von meiner Rettung und meiner großen Reise nach Deutschland. Aber sie hatten das feste Vertrauen nicht verloren, dass ich, ihr Maxi, eines Tages wieder auftauchen würde.

Jeden Abend hatten sie für mich gebetet. 

 

Die ganze Nacht hatte ich kein Auge zugemacht. Ich bin immer wieder von einem Bett zum anderen gesprungen und habe die so lange Entbehrten alle abgeleckt.

Inzwischen habe ich mich an dieses ganz andere Leben in dieser neuen Heimat, in der gerade der Frühling begonnen hatte, etwas gewöhnt.

Immer wieder bekomme ich Heimweh nach unserem schönen Chile und dann denke ich an Euch. Meinen Amos und den Kindern geht es übrigens auch so. Das merke ich sehr gut, wenn sie Fotos von Chile anschauen, Briefe aus Santiago bekommen und mit Freunden den guten Rotwein aus Chile

 

trinken, von dem mein Amo einen großen Vorrat mitgebracht hatte

 

An Abenteuern wird es mir auch hier in Deutschland nicht fehlen.

 

Mein Freund Zorro Mattias, für Dich wäre das hier ein Paradies. Stelle Dir vor, gleich hinter dem Haus beginnt der große Wald. Dort kannst Du Bekanntschaft mit Hasen, Kaninchen, Rehe und

sogar Hirschen

 

und Wildschweinen

machen.

 

Einmal habe ich in einer Höhle Bekanntschaft mit Deinem Vetter, 

dem Dachs       gemacht. 

 

Der ist ja fast doppelt so groß wie Du und besitzt gewaltige Tatzen. Du weißt ja, dass ich tapfer bin. Aber ich habe es dann doch vorgezogen, das Feld oder besser die Höhle zu räumen. Eine gewaltige Ohrfeige     – mir ist dabei Hören und Sehen vergangen -  hat er mir doch noch verpasst. Aber das ist ja bekannt. Ich bin hart im Nehmen.

 

Kaum in Deutschland angekommen, machten sich Sofia und Konstantin große Sorgen, weil ich immer noch keine Braut nach Hause geführt hatte, obwohl ich schon ein längst erwachsener Dackel und mit Sicherheit der attraktivste Krummbeiner in der weiten Umgebung war. Also gingen sie daran, mein Hundealter auszurechnen. Schließlich fanden sie heraus, dass ich mich mit meinen 28 Jahren im besten Heiratsalter befand.

Wenn ich nicht den Anschluss verpassen wollte, müsste ich mich also dringend auf Brautschau begeben. An mir lag es ja nicht. Aber wenn man mir und den Hundedamen keine Freiheit lässt, die Leine nicht zu hause vergisst, kann es ja nie funken. Man beschloss also, ohne mich weiter um meine, in dieser Angelegenheit doch nicht ganz unmaßgebliche Meinung zu befragen, dass sofort etwas geschehen müsse. Meines Glückes Schmiede machten sich also gleich an die Arbeit. Sofia malte mich, gar nicht schlecht getroffen, in Lebensgröße mit erhobenen Schweif... Konstantin, der Dichter, ließ blauen Saft aus einem Stöckchen fließen und schrieb die Anzeige, die dann – ich konnte mich selbst davon überzeugen – an das schwarze Brett in der großen Schulhalle angeheftet wurde. Mich störte es etwas, dass neben meiner Brautsuche alte Fahrräder und Schulbücher angeboten wurden. Aber wenn es um die große Liebe geht, dann schaut man über solche Kleinigkeiten großzügig hinweg.

Da stand also geschrieben: „welche hübsche und zarte Langhaar-Dackeline mit einwandfreiem Stammbaum und mit Sinn für`s Exotische. wünscht sich ein Leben zu Zweit mit Maxi dem schönsten Dackel-Rüden der Stadt, tapfer und stark, treu und schlau. Sie sollte mit ihm die Leidenschaft für die Jagd und für gute Gerüche teilen. Nur ernstgemeinte Zuschriften mit Ganz-Foto werden beantwortet“...

 

Ich war mir sicher, dass ich mich vor lauter Bewerberinnen nicht retten könnte... In den nächsten Tage träumte ich vom häuslichen Glück. Ich sah sie schon vor mir die kleine schmiegsame Dackel-Frau,

 

die mich gebührend bewunderte und meine Wunden leckte, wenn ich, natürlich siegreich, von den Raufereien mit den Straßen-Kötern nach Hause kam. Stolz würde ich auf das ganze Körbchen voller frech kläffender Mini-Maxis. Sein... Die Hochzeit müsste übrigens – das hatte ich mir schon ausgerechnet - spätestens Anfang nächsten Jahres stattfinden, damit ich Dona Christina und Dr.Percy, meinen Wohltätern in Santiago, wie versprochen, wenn sie nach Deutschland kommen, ein Produkt meiner Lenden verehren kann.

Jeden Tag erwarte ich von jetzt an, eigentlich wie immer, aber jetzt mit größter Spannung und Ungeduld die Kinder, wenn sie von der Schule nach Hause zurückkehrten. Oh weh stets kamen sie mit leeren Händen nach Hause. Keine einzige Dackel-Miss hatte sich auf die Anzeige hin gemeldet.

Ist mein Typ nicht gefragt, also bei der Dackel-Damen Welt gerade nicht in Mode? Fühlt sich Keine mir ebenbürtig? Letzteres kann man ja verstehen. Na ja, enttäuscht war ich schon. Aber schließlich hatte ich diese einzige schlappe Schlappe in meinem Leben doch überwunden.

Ich bin also allein geblieben und ein alter Hagestolz geworden. Nachkommen kann ich nicht aufweisen, aber doch einen ganzen Sack voller außergewöhnlicher Geschichten, die man in Dackel-Kreisen, aber auch unter den Menschen-Kindern immer wieder erzählen wird, auch dann noch, wenn ich in dem Dackel-Himmel ruhe.

 

 

Den Umzug nach Lissabon

 

unternahmen Herrchen und ich ganz allein, mit seiner neuen Blechkiste. Ich befand mich zum ersten Mal auf einer richtigen Dienstreise. Hohe Spesen für bestes Essen und Übernachtungen in noblen Hotels konnte ich also erwarten. Drei Tage waren wir unterwegs, teils im strömenden Regen, teils oben auf der kastilischen Hochebene

 

in Eiseskälte. Dort, in einer großen Stadt, ich glaube, es war Valladolid, war die erste Übernachtung in Spanien vorgesehen. Wir fuhren also mit hohen Erwartungen vor einem der besten Häuser der Stadt vor. Von der langen Reise waren wir rechtschaffen müde und freuten uns, auf - Jedem das Seine - kuschelige Bettchen.

Aber oh weh, als man mich sah, wurden die Minen in der Rezeption so eisig, wie das Wetter draußen. Ein perro, ein Hund und sei er auch noch so klein und von vornehmster Abkunft, darf die Schwelle dieses Hauses nicht übertreten. Das stimmt also, was man auch in Chile sagt, die Spanier sind unglaublich hochmütig. Enttäuscht fuhren wir zur nächsten Herberge. Ihr fehlte schon ein Stern in dem Führer, in dem Herrchen eifrig blätterte. Aber auch hier hielt man ab-solut nichts von Vierbeinern. Der livrierte Portier rümpfte die Nase, als er mich sah und sagte nur „bedauere.“

Beim nächsten Etablissement einer nicht mehr so feinen Kategorie, wies kein Portier, sondern eine resolute Dame uns die Türe... Hinter ihrem gewaltigen Busen schlug kein Herz für mich, dem armen frierenden Dackel. So langsam sanken wir bei unser Herbergssuche tiefer und tiefer. Überall holten wir uns rüde Abfuhren ein. In dieser Nacht hatten wir die Stadt gut kennen gelernt, allerdings nur von oben nach unten...

Längst hatten wir die besseren Viertel von Valladolid abgeklappert, als wir schließlich in einem baufälligen Haus in der dritten Etage eine schmuddelige Pension entdeckten. Ein Zimmer gab es dort zwar allerdings, nur für den Amo. Hunde waren auch dort ungebetene Gäste. Dieses Mal gelang es aber dem Herrchen unter Aufbietung aller seiner Überredungskünste den misstrauischen Wirt von der Harmlosigkeit seines Dackels zu überzeugen. Herrchen musste dem Wirt hoch und heilig garantieren, dass ich in den Räumen der Pension weder das Bein heben, noch ein Häufchen setzen und auch kein Muckser von mir geben würde. Ich sekundierte Herrchens Schwüre mit meinem berühmten unschuldigen Augenaufschlag.

 

Nur halb überzeugt, ließ Don Fernando, so hieß das Scheusal, uns schließlich hinein. Uns wurde ein Loch von Zimmer, geschwängert von den Düften der Küche direkt daneben, angewiesen. Mit spitzen Fingern hat Herrchen dann das Bett untersucht. Die überall geflickten Leintücher hatten sicher schon viele Gäste, aber schon lange keine Wäsche mehr erlebt... Was soll´s...?

Herrchen plagte inzwischen ein Bärenhunger. Sogleich begab er sich, nachdem er mich nachdrücklich zur absoluten Ruhe ermahnt hatte, in den kleinen Speiseraum gleich neben an. Diese Rollenverteilung missfiel mir allerdings ganz und gar nicht. Denn erstens wollte ich auf keinen Fall allein in diesem stinkigen Zimmer bleiben. Außerdem, wer weiß? Vielleicht sehe ich Herrchen gar nie mehr wieder, weil der Wirt ihn am Ende um die Ecke gebracht hat. Dem ist doch alles zuzutrauen. Ich würde dann womöglich noch als Fleischeinlage im großen Suppentopf der Pensionsküche ein ebenso unrühmliches Ende nehmen... Auf einem ganz anderen Blatt stand, dass ich auch absolut nichts gegen ein kräftiges Abendessen einzuwenden gehabt hätte. Diese intensive Mischung der schweren Küchen-Düfte hatte nicht nur bei meinem Herrchen gewirkt, nein, auch meine Magensäfte konnten ihnen nicht widerstehen. Da half also nicht, ich musste mich einfach, Mahnworte hin, Mahnworte her, kräftig zu Wort melden. Der Erfolg meines Gebells, direkt hinter der Esszimmertüre war durchschlagend. Ich vernahm nebenan einen wilden Wortwechsel. Der Wirt übertönte sogar mein ununterbrochenes lautes Gekläffe. Er schrie, mein Herrchen habe mit dieser Bestie, dem schlimmsten Kundenschreck – so beschimpfte er mich - umgehend sein edles Etablissement zu verlassen! Der Vorschlag zur Güte, mich während des Abendessens an das Tischbein zu binden, wurde kategorisch abgelehnt. Es gab also keine andere Lösung: Herrchen musste wo anders speisen und ich hatte es mir derweil in der eiskalten Blechkiste mit leerem Magen „gemütlich“ zu machen.

Spät nachts schlichen wir, Herrchen gewärmt und mit vollem Magen und ich vor Kälte bibbernd, in unser Zimmer genanntes Schlafloch. In klamme Betttücher und dünne, löcherige Decken gewickelt, träumten wir schließlich von sauberen, kuscheligen Himmelbetten in Vierstern-Hotels.

Bevor wir in aller Frühe, ohne Frühstück versteht sich, das schmuddelige und ungastliche Haus verließen, hatte ich den alten Bettvorleger noch schnell mit einem feuchten Schmähbrief versehen – den der Wirt ja leider nicht lesen konnte. Unter dem Bett hatte ich auch noch ein Stink-Bömbchen “vergessen!”      

 

 

Der  Herbst  steht  vor  der  Tür. 

 

 

Das  gilt  auch  für  mich, mein, ach  so kurzes  Dackelleben.  Das  Schreiben  fällt  mir  immer schwere. Die  Pfoten  sind steifgeworden  und  können den Gänzekiel,

(den  ich  übrigens der  dümmsten  unserer  Gänze ausgerupft  habe, als  sie  unter den  Kamelienbüschen  brütete. Noch  jetzt  schmerzt  mir die  linke  Backe, wenn  ich  na  die Ohrfeige  denke, die  mir  damals  der grosse  Gänzerich  mit  seinen Schwingen  versetzt  hat,) kaum  noch  halten.

Lohnt  es  sich  überhaupt  noch dieses  Leben, so  frage  ich  mich  manchmal. Wo  ist  sie  geblieben, meine  grosse  Jagdleidenschaft? Die  mich  früher  alles andere  vergessen  lies.

Ich  fürchte, das  wird  mein  letztes  Kapitel, das  ich  heute mühsam  zu  Papier  bringe. Die  Famiele  wird  mein  Andenken in  ihrem  Herzen  bewahren. Die  Sonne  ist  jetzt  hinter den  Sintrabergen, (übrigens ein vorzügliches Jagdrevier) verschunden.

Es  gibt  nichts  schöneres, als  sich  zu  auf  dem weichen  Teppich  zu  kuscheln und  die  Wärme des  Kaminfeuers  in  den  alten steifen  Gliedern  zu  verspüren. Ich  träume  dann  mit fast  geschlossenen  Augen.

Wie  ein  Film  spult  sich  mein  Leben nochmals  ab:

die  Spiele  mit  den noch  kleinen  Kindern im  Garten  in  Santioago, (meinem Geburtsort,)

die  Wanderungen  mit  Herrchen in  der  Kordillere,

das  grosse  Abenteuer  in  der  Wüste,

der  Flug  im  Bauch  des  Riesenvogels über  das  grosse  Wasser

in  meine  zweite  Heimat  Deutschland, die  Jagd  dort  auf  Reh, Fuchs, Hase und Fasan in  den  Feldern  und  im  Wald.

Und  schliesslich  das  gerusame Altwerden  in  meiner  dritten  Heimat,

der   Quinta de Torneiro

 

in Portugal. 

 

JA, es  war  ein  herrliches, abenteuerliches  Leben. Ich  kann  mir  nicht  vorstellen, dass  irgendwo  auf  unserer  grossen Erde  schon  einmal  ein  Dackel so  ein  dickes  Buch  mit selbst  erlebten Geschichten  vollschreiben  konnte.

Aber  Schluss  mit  der  Träumerei.

Das  Frauchen  hat  gerufen. Sicher  hat  sie  mir  etwas gutes  vom  Metzger  mitgebracht!

 

 

Nachwort von  Frauchen  Dezember 1983

 

Maxi hat  sich  mit seinen  Vorahnugen nicht  getäuscht.

 

Es  war  sein  letzte  Kapitel.

Kurz  vor  den  Weihnachtsferien sprang  Maxi als  ich vom  Einkaufen  zurückkehrte, mir  nicht  wie  sonst  üblich schwanzwedelnd  entgegen. Im  Haus  fand  ich  ihn  nirgends. Ich  suchte  alles  ab, den  Garten, die  Felder  ringsumher. Ich  befragte  den  Gärtner, das  Dienstmädchen  und die  Nachbarn. Niemand  hatte  Maxi  gesehn.

Die  Kinder klebten  Suchanzeigen an  Mauern  und  Bäumen, Annocen  wurden  aufgegeben, der  Tierschutzverein, die  Polizei  und die  Jäger  alarmiert: alles  vergebens!

Maxi, hat  er  sich  nun freiwillig aus  dem  Staube  gemacht, aus  unserem  Haus, das  er  doch  gar  nicht mehr  so  gern  verlies? Wir  wissen  es  nicht.

Niemand wird  uns  das  wirklich  letzte  Kapitel seines  Lebens  erzählen. Vielleicht  ist  es  auch  besser  so,

dass  die  Geschichte  von  Maxi, dem  chilenischen  Dackel  für  immer unvollendet  bleibt...