"Yad Vashem" in Jerusalem

 


Die Gedenkstätte "Yad Vashem"

Die westliche Endstation der Straßenbahn heißt "Herzl Berg". Von hier aus kommt man zufuß in ca. 15 Minuten nach "Yad Vashem". Diese 180.000 m2 große Gedänkstätte wurde 1953 zur Erinnerung an die sechs Millionen im Zweiten Weltkrieg umgekommenen Juden errichtet.


Yad Vashem erhielt seinen Namen nach (Jes 56,5 LUT): „Ihnen allen errichte ich in meinem Haus und in meinen Mauern ein Denkmal, ich gebe ihnen einen Namen, der mehr wert ist als Söhne und Töchter: Einen ewigen Namen gebe ich ihnen, der niemals getilgt wird.“

Die ersten Überlegungen für eine Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem reichen in das Jahr 1942 zurück und wurden auf einer Vorstandssitzung des Jüdischen Nationalfonds diskutiert. 1945 wurde ein provisorischer Vorstand von Yad Vashem installiert, dem David Remez (Vorsitzender), Shlomo Zalman Shragai, Baruch Zuckerman und Mordechai Shenhavi angehörten. Nach der Gründung des Staates Israel befürwortete dessen erster Staatspräsident Chaim Weizmann 1948 ausdrücklich das Vorhaben einer Holocaust-Gedenkstätte. Durch den Palästinakrieg 1948–1949 verzögerte sich die Umsetzung jedoch erheblich. 

Am 19. August 1953 verabschiedete das israelische Parlament, die Knesset, einstimmig das Yad-Vashem-Gesetz. Die Leitung der geplanten Gedenkstätte hatte bereits verschiedene Projekte gestartet: Sammlung der Namen der Opfer des Holocaust, Dokumentation persönlicher Zeugnisse von Überlebenden, vorbereitende Untersuchungen für die zukünftige Forschung und für geplante Publikationen. Am 29. Juli 1954 wurde auf dem Mount of Remembrance (Mount Herzl | Har ha-Zikaron) westlich von Jerusalem der Grundstein für das zentrale Museumsgebäude von Yad Vashem gelegt. Das Museum und weitere bis dahin bereits fertig gestellte Teile der Gedenkstätte wurden 1957 für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seither wurde Yad Vashem kontinuierlich erweitert und ausgebaut und umfasst gegenwärtig folgende Abteilungen und Institutionen:

Museum zur Geschichte des Holocaust

Das „Museum zur Geschichte des Holocaust“ dokumentiert in neun unterirdisch angelegten Galerien die Geschichte der Judenverfolgung. Anhand von Videoinstallationen, Fotografien, Exponaten, Dokumenten und Kunstwerken wird der Völkermord an den europäischen Juden dargestellt. Die Ausstellung ist chronologisch geordnet und beginnt beim jüdischen Leben in Europa vor dem Holocaust. Sie leitet dann über zu dem aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland, dem Zweiten Weltkrieg und die Zerstörung jüdischen Lebens in Polen, die Ghettos (mit dem Nachbau der „Ulica Leszno“, der Hauptstraße des Warschauer Ghettos) bis zur Internierung in Konzentrationslager und Vernichtungslagern wie Auschwitz. Hieran schließen sich der Widerstand und die Todesmärsche an. Die Ausstellung endet mit der Situation der Überlebenden, ihrer Suche nach Angehörigen, dem Leben in DP-Lagern und der Auswanderung nach Israel oder in andere Länder. Hierbei werden auf mehr als 100 Bildschirmen Videos mit Aussagen Überlebender des Holocaust vorgestellt.

Der Neubau des Museums wurde im März 2005 eröffnet.

Denkmäler in Yad Vashem

Das weitläufige Gelände umfasst eine Vielzahl von Skulpturen und einzelnen Gedenkstätten. Besonders seien erwähnt:


 

Halle der Erinnerung (September 2010)

Die „Halle der Erinnerung“ (hebräisch אוהל יזכור, Ohel Jizkor) mit der Gedenkflamme für die Opfer des Holocaust. Diese Flamme, in Form eines zerbrochenen Bronzekelchs, steht in der Mitte der Halle. Davor befindet sich eine Steinplatte, unter welcher Asche aus den Konzentrationslagern begraben ist. In der Halle sind die Namen der 22 größten Konzentrationslager in den Boden eingraviert, die exemplarisch für alle Orte der Vernichtung stehen. Architekt: Arieh Elhanani

Allee der Gerechten unter den Völkern

 

Gedenktafel

Die „Allee der Gerechten unter den Völkern“ ist gesäumt von Bäumen, die für die „Gerechten“ gepflanzt wurden. Mit den Gerechten unter den Völkern sind nichtjüdische Personen und Organisationen gemeint, die sich dem NS-Regime widersetzten, um Juden zu retten. Ihre Namen und ihre Herkunftsländer sind neben den Bäumen auf Tafeln vermerkt. Beispiele hierfür sind Oskar Schindler, Chiune Sugihara, Berthold Beitz, Giorgio Perlasca oder Aristides de Sousa Mendes. Das Projekt wurde 1962 begonnen. Im August 2018 wurden insgesamt 26.973 Menschen als „Gerechte unter den Völkern“ geführt, 616 von ihnen sind Deutsche. Im Jahr 2017 sind 460 neue Anerkennungen hinzugekommen.

Garten der Gerechten unter den Völkern[

 

Der „Garten der Gerechten unter den Völkern“


Im „Garten der Gerechten unter den Völkern“ werden seit 1996 für nichtjüdische Retter Platten mit ihren Namen angebracht. Hier finden auch die Verleihungszeremonien des Ehrentitels für diese Personen statt. Nach Angaben des Auswärtigen Amts wurden der Gedenkstätte über Projektförderung knapp fünf Millionen Euro von der Bundesregierung bis Ende 2009 zur Verfügung gestellt. Der Vertrag vom 1. Februar 2012 soll die Unterstützung weiter sichern. Deutschland hat weitere finanzielle Hilfe von 10 Millionen Euro zugesagt.


Denkmal für die Kinder

Das im Jahre 1987 errichtete „Denkmal für die Kinder“ ist dem Gedenken an die 1,5 Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten jüdischen Kinder gewidmet. Das Denkmal ist als unterirdischer Raum angelegt, in dem fünf Kerzen in der Dunkelheit so reflektiert werden, dass ein ganzer Sternenhimmel entsteht. Im Hintergrund werden die Namen, das Alter und der Geburtsort der Kinder von einem Tonband abgespielt. Dieses Endlosband braucht ungefähr drei Monate, um alle Namen wiederzugeben.

Architekt: Moshe Safdie

Halle der Namen

 


In der „Halle der Namen“, dem letzten Raum im Rundgang des Museums zur Geschichte des Holocaust, werden die Namen und persönlichen Daten der jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Massenmordes gesammelt. Als Grundlage hierfür dienen die Angaben auf „Gedenkblättern“, die von Verwandten und Bekannten der Ermordeten gemacht werden. Oft sind die Gedenkblätter die einzigen Erinnerungen an die Opfer.

Architekt: Moshe Safdie


Denkmal zur Erinnerung an die Deportierten

 


Das „Denkmal zur Erinnerung an die Deportierten“ erinnert mit einem alten Reichsbahnwagen an die Transporte in die Konzentrationslager; der Waggon steht über dem Abhang auf einer ins Nichts führenden Brückenkonstruktion und ist ein originaler Transportwagen, der von der polnischen Regierung an Yad Vashem übergeben wurde.

Architekt: Moshe Safdie


Tal der Gemeinden

 


Auf einer Fläche von etwa einem Hektar wird im „Tal der Gemeinden“ (hebr.: בקעת הקהילות, Bik'at haKehilot) auf 107 Steinwänden der über 5000 jüdischen Gemeinden, die während der Shoa ganz oder teilweise vernichtet wurden, gedacht.

Architekten: Dan Zur und Lifa Yahalom

Das Holocaust Kunstmuseum

beherbergt eine Kunstsammlung von 10.000 Zeichnungen und Gemälden von Insassen der Konzentrationslager. Ein kleiner Teil, 100 Werke, wurde im Deutschen Historischen Museum in Berlin vom 26. Januar 2016 bis 3. April 2016 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.


Weitere Einrichtungen in Yad Vashem

 


Pillar of Heroism, „Säule des Heldenmutes“

 


Boris Saktsier: Janusz Korczak und die Ghettokinder

Die Neue Synagoge zeigt Judaica aus zerstörten Synagogen Europas.

Die Bibliothek, die größte Sammlung von Büchern über den Holocaust, umfasst über 87.000 Bände in verschiedenen Sprachen. Architekt: Moshe Safdie

Das Archiv umfasst eine Sammlung von über 58 Millionen Seiten Dokumentation und über 138.000 Fotografien; die Fotosammlung ist seit Januar 2011 vollständig online einsehbar.

Gemeinsam mit seinen Partnern hat Yad Vashem Namen und biographische Angaben von Millionen Opfern der systematischen anti-jüdischen Verfolgung zur Zeit des Holocaust gesammelt und aufgezeichnet und stellt diese in einer zentralen Datenbank unter Angabe der Quellen online bereit.

Im „Wald der Nationen“ sind Staats- und Regierungschefs aller Länder dazu eingeladen, einen Baum zu pflanzen. Er wurde 2005 von Horst Köhler eingeweiht.

Ausbildung, Publikation, Forschung

Forschungsstipendien, Auszeichnungen und Förderung

Das Diana Zborowski-Zentrum für das Studium der Auswirkungen des Holocaust

Die Dr. Ingrid Tauber-Stiftung zur Erforschung des Holocaust in Ungarn und der ungarisch-jüdischen Geschichte

Der John Najmann-Lehrstuhl für Holocaust-Studien

Die Reihe „Search and Research“ – Vorträge und wissenschaftliche Publikationen

Das Zentrum zur Erforschung der Juden in Deutschland während des Holocaust

Yad Vashem Studies

Yad Vashem Verlag

In vielen europäischen Ländern gibt es Partnerschaftsvereine, welche die Ziele von Yad Vashem vertreten, so zum Beispiel die Österreichischen Freunde von Yad Vashem: Sie unterstützen seit 2003 die Ziele von Yad Vashem. Die Aufgaben bestehen im Wesentlichen in der Erinnerung an den Holocaust in Österreich durch spezielle Gedenk- und Erziehungsprojekte. Durch kulturelle Veranstaltungen soll auch die vielerorts verloren gegangene jüdische Kultur wiederbelebt und in Erinnerung gehalten werden.

Zentrale Datenbank der Namen der Holocaustopfer

Die unter yvng.yadvashem.org vollständig einsehbare Central Database of Shoah Victims' Names ist Teil eines Projekts, die Namen und Lebensgeschichten aller Opfer zu dokumentieren. In 50 Jahren Recherche wurden bislang die Daten von 4,8 Millionen Betroffenen erfasst und in zehnjähriger Arbeit durch mehr als 1.500 Freiwillige digitalisiert. Nach eigenen Angaben handelt es sich dabei um die umfassendste Datensammlung dieser Art. Eine weitere Datenbank auf dieser Website lässt die europaweiten Züge in die Lager recherchieren.

Schändung

Im Juni 2012 wurden die Außenmauern und der Fußboden von Yad Vashem von drei ultra-orthodoxen Juden mit etwa zehn großformatigen Graffiti in hebräischer Sprache besprüht. Beispiele: „Die Zionisten wollten den Holocaust“, „Hitler, Danke für den Holocaust“, „Wenn Hitler nicht existiert hätte, hätten die Zionisten ihn erfunden“. Das Graffito „den Zionisten nicht mehr zu ermöglichen, manipulative Gedenkzeremonien in Auschwitz abzuhalten“ war an die polnische Regierung gerichtet.

5. World Holocaust Forum

75 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz fand am 23. Januar 2020 in Yad Vashem das 5. World Holocaust Forum statt, an dem 50 Staatsoberhäupter teilnahmen, darunter die heutigen Staatschefs der damaligen alliierten Mächte, Russlands Präsident Wladimir Putin, der Vize-Präsident der USA, Mike Pence, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Thronfolger Prinz Charles. Als erstes deutsches Staatsoberhaupt sprach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Yad Vashem, bei der zentralen Gedenkveranstaltung. Er begann seine Rede auf Hebräisch mit dem Segensspruch Schehechejanu: Gepriesen sei der Herr, […] dass er mich heute hier sein lässt. Der Bundespräsident bekannte sich zu der deutschen Schuld am Holocaust und versicherte den Schutz jüdischen Lebens: Wir bekämpfen den Antisemitismus! Wir trotzen dem Gift des Nationalismus! Wir schützen jüdisches Leben! Wir stehen an der Seite Israels. Dieses Versprechen erneuere ich hier in Yad Vashem vor den Augen der Welt. Die früheren World Holocaust Foren fanden 2005 in Krakau, 2006 in Kiew, 2010 in Krakau und 2015 in Prag statt.



Die Anlage

Nachdem man das große steinerne Portal durchschritten hat, gelangt man nach ca. 200 m zum Eingangszentrum. Sehen Sie sich unten den verlinkten Lageplan an, der Sie auf dem Gelände orientiert.


Bekannt ist die "Allee der Gerechten". 

 


Sie ist mit Bäumen, die von Nichtjuden gepflanzt wurden, die ihr Leben riskierten, als sie Juden bei der Flucht halfen. Diese Allee führt zum Monument, ein einfacher, schlichter Bau, der 1957 errichtet wurde. Im Innern erinnert die ewige Flamme an die Toten, während die Namen der verschiedenen KZ-Todesstätten in den Fußboden eingearbeitet sind.


Der Gedenkstätte sind ein Dokumentations- und ein Forschungs-Zentrum angeschlossen, in denen die schrecklichen Ereignisse der Nazizeit dokumentiert sind.







 



 













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    26. Juni 2012, 11:21 Uhr   SZ.de

 

Schändung von Yad Vashem:Polizei nimmt ultraorthodoxe Verdächtige fest

Vermutlich ultraorthodoxe Juden haben die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem beschmiert - die Polizei nahm drei Verdächtige fest.

Zwei Wochen nach der Schändung der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem sind drei ultraorthodoxe Juden festgenommen worden. Die Männer im Alter von 18, 26 und 37 Jahren hätten die Tat gestanden, teilte ein Polizeisprecher mit. Sie hätten zudem die Schändung von zwei Mahnmalen für gefallene israelische Soldaten zugegeben.

Die Männer stammten aus Jerusalem, der Hafenstadt Aschdod im Süden Israels sowie der ultraorthodoxen Vorstadt Bnei Brak von Tel Aviv. In ihren Wohnungen sei anti-zionistisches Material gefunden worden. Es gibt verschiedene Strömungen strengreligiöser Juden, die den modernen Staat Israel als Gotteslästerung ablehnen. Nach ihrer Auffassung darf ein jüdischer Staat nur durch den Messias, also durch Gottes Hand, gegründet werden.

Die am Morgen des 11. Juni in Yad Vashem entdeckten Schmierereien hatten große Empörung in Israel ausgelöst. Es handelte sich um Slogans in hebräischer Sprache: "Hitler, danke für den Holocaust", und "Die Zionisten wollten den Holocaust". Es war das erste Mal in den fast 60 Jahren ihres Bestehens, dass die Gedenkstätte für die sechs Millionen während der Nazi-Diktatur ermordeten Juden mit antisemitischen Parolen geschändet wurde.


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