Amerikanische Kolonie in Jerusalem

Ca. 1 km nördlich des Damaskus Tores, in der Louis Vincent Straße / Sichem Straße, versteckt sich das von einer Mauer umgebene elegante Hotel der Amerikanischen Kolonie (American Colony Hotel).
Das Gebäude gehörte einst dem reichen türkischen Kaufmann und Grundbesitzer Pascha Rabbah Daoud Amin Effendi al-Husseini. Dieser hatte in den Jahren 1865-76 verschiedene Gebäude in Jerusalem errichten lassen und nutzte diesen Palast zusammen mit seinen vier Ehefrauen als Familienresidenz.
Horatio Gates Spafford, ein bekannter US-amerikanischer Anwalt aus Chicago, erwarb später um 1881 das Anwesen und machte es zu einem Zentrum einer religiösen Gemeinschaft. Spafford starb 1888 in Jerusalem.
Die Mitglieder der Kolonie, denen sich später schwedischen Christen anschlossen, engagierten sich in philanthropische Arbeit unter der Bevölkerung von Jerusalem, und zwar unabhängig ihrer Religionszugehörigkeit und ohne jede missionarische Absicht. Sie gewannen dadurch schnell das Vertrauen der örtlichen muslimischen, jüdischen und christlichen Gemeinschaften.
1902 übernahm Baron Ustinov, der Großvater des Schauspielers Peter Ustinov, das Gebäude und verwandelte es in ein orientalisches Gästehaus. Bald machte sich das Hotel, das kurz „American Colony“ genannte wurde, mit seinem hohen Standard an Qualität und Komfort, einen Namen bei westlichen Reisenden und Pilgern. Ingrid Bergmann, Graham Green, Marc Chagall, Hans-Dietrich Genscher und viele andere Berühmtheiten fühlten sich hier wohl.
Während und unmittelbar nach dem ersten Weltkrieg spielte die amerikanische Kolonie eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung dieser Gemeinschaften, die durch die Ostfront großes Leid und Entbehrungen erlitten hatten. Sie boten Suppenküchen, Krankenhäuser, Waisenhäuser und andere gemeinnützigen Unternehmen zur Versorgung der Notleidenden an.


 

American Colony Hotel - die Zufahrt


American Colony Hotel – Eingangsbereich


American Colony Hotel - Laden im Eingangsbereich



Anglikanische Schule in Jerusalem

 

Im Jahr 1896 wurde die anglikanische Schule mit ihren sieben Gebäuden in der Prophetenstraße gegründet.
 Der Bau eines Krankenhauses

In Jerusalem, in der Prophetenstraße bzw. Rechov HaNeviim Nr. 82, befindet sich die Anglikanische Schule mit sieben Gebäuden aus dem Jahre 1896. Bereits 1843 gründete die "London Society for Promoting Christianity amongst the Jews" (Londoner Gesellschaft für die Ausbreitung des Christentums unter den Juden) in der Jerusalemer Altstadt ein Krankenhaus, um auf diesem Weg den Juden das Christentum nahe zu bringen. Wer sich hier aber behandeln und missionieren ließ, wurde von orthodoxen Rabbinern exkommuniziert, worüber Selma Lagerlöf berichtete.

1896 wurde das Krankenhaus in die Prophetenstraße verlegt und verfügte dort über eine Klinik, eine Apotheke und Warteräume. In den Warteräumen musste der Patient wortwörtlich so lange warten, bis man ihm das Evangelium gepredigt hatte. Die Pavillons waren nach Missionssponsoren benannt wie z.B. nach der Schokoladenfirma Cadbury. An den Gebäuden sind in Englisch angebrachte Bibelverse wie "Heile mich, so werde ich heil!" (Jer. 17,14) und "Ich bin der HErr, dein Arzt, der dich heilt!" (2.Mose 15,26).

Später wurde daraus die "Anglican School" für ausländische Diplomatenkinder und Angehörige der UNO.

Das erste Laubhüttenfest der Christlichen Botschaft (ICEJ), damals noch unter Leitung von Jan Willem van der Hoeven, fand im Schulhof der Anglican School statt. Heute befindet sich hier u.a. die Grundschule Mekor Hatikva für Kinder messianischer Juden.

Die ganze Anlage ist heute für Besucher nicht zugänglich.



Jerusalem: Die anglikanische Schule in der Prophetenstraße



Jerusalem: Die anglikanische Schule in der Prophetenstraße



Jerusalem: Die anglikanische Schule in der Prophetenstraße



die "Ateret Kohanim" in Jerusalem

 

  


"Ateret Kohanim" ist eine religiös-zionistische Bewegung, die sich zum Ziel gesetzt hat, die jüdische Präsenz im Zentrum Jerusalems, vor allem in der Altstadt, zu erneuern und zu verstärken.
Die Bewegung ermutigt Israelis nach Ostjerusalem zu ziehen und vor allem in die Altstadt. Manche vermuten, daß ca. 1000 Juden in den Gebäuden leben, die Ateret Kohanim seit 1978 in der Altstadt gekauft hat.
Das Büro der Bewegung befindet sich in dem historischen Gebäude der "Yeshivat Torat Chaim" im arabischen Viertel der Jerusalemer Altstadt. Das Oberhaupt dieser ultraorthodoxen ist Schlomo Aviner.
1886 gründete Rabbi Yitzchak Winongrad die renommierte "Yeshivat Torat Chaim" in der HaGai Straße mit direktem Blick auf den Tempelberg.
 Während der arabischen Aufstände von 1936 zog die Yeshiva in die Neustadt um, und überließ das Gebäude einem arabischen Wächter. Nach dem 6-Tage-Krieg von 1967 war diese Yeshiva die einzige, die während der Jordanischen Besatzerzeit nicht zuerstört worden war. Der arabische Wächter hatte in der Zeit der jordanischen Besatzung das Lehrhaus geschlossen und als das seinige ausgegeben. 1967 übergab der Wächter das Gebäude den Israelis



eine kleine Gasse in Viertel Ateret Kohanim



"Beit Shalom-Park" in Jerusalem

 




die Entdeckung des Areals

Blick auf den Beit Shalom-Park


Als 1974 die Straße an der südlicher Altstadtmauer erneuert werden sollte, stieß man entlang der Stadtmauer auf Ruinen aus alter Zeit. Gefunden wurden Reste aus der Epoche des ersten und zweiten Tempels, aus der Römerzeit, aus der Zeit der Byzantiner, aus frühmoslemischer Zeit, aus der Zeit der Kreuzfahrer und aus osmanischer Zeit.
Die interessanten Ruinenfunde wurden dem Publikum zugänglich gemacht und bilden heute den archäologischen "Beit Shalom Park". Die von Shlomo Aronson entworfene Anlage ist sowohl ein Erholungspark mit Fußwegen, Bänken und Landschaftsmerkmalen als auch ein archäologischer Garten, in dem die zahlreichen archäologischen Überreste für die Öffentlichkeit interpretiert werden.
Das ausgegrabene Areal befindet sich ca. 50 Meter westlich des Dungtores und erstreckt sich nach Westen entlang der Altstadtmauer. Die Anlage ist frei zugänglich und mit einigen Wegen und Abschränkungen versehen. 


Die archäologischen Funde



In dem Park sind Reste u.a. folgender Bauten zu sehen:


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beit-shalom-park Gerbertor


beit-shalom-park Byzantinische Zisterne


beit-shalom-park Der osmanische Schwefelturm (auf ajubidischem Fundament) und 

Fundamente des byzantinischen Hospizes


beit-shalom-park Fundamente des byzantinischen Hospizes, das südlich der Nea-Maria-Basilika lag


beit-shalom-park Gerberturm von oben


beit-shalom-park jüdische Ritualbadanlage


beit-shalom-park An der Mauerstelle über den Bussen ist die Ecke des aijubidischen Turmsockel erkennbar, 

der aus der Mauer hervorragt



"Beit David" in Jerusalem

 

Die Lage von "Beit David"

Zwischen der Jaffa Straße und der Prophetenstraße befindet sich das Haus Beit David (Davids Haus). Dieser Bau war die vierte jüdische Siedlung, die außerhalb der Stadtmauer von Jerusalem errichtet wurde.

Gründung von "Beit David"

Eine Spende des Wohltäters David Reiz Yanover ermöglichte im Jahr 1873 die Finanzierung dieser Wohnanlage. Der Komplex wurde als Festung konzipiert, denn der Bau sollte Schutz und Sicherheit vor den Toren Jerusalem bieten. Als der Bau fertig war, zogen arme aschkenasische Juden hier ein, die hinter den 1 m dicken Mauern einen sicheren Wohnplatz außerhalb der ummauerten Altstadt fanden. Die Anlage war rechteckig um einen Innehof angelegt. In der Mitte des Hofes befand sich ein Brunnen aus dem man über eine Pumpe Wasser schöpfen konnte. Ursprünglich war der Bau nur einstöckig, doch 1923 wurde durch eine großzügige Spende von Harry Fischel ein zweiter Stock aufgesetzt. In diesem wohnte dann der Rabbiner Abraham Isaak HaCohen Kook. Dieser war einer der größten Rabbiner seiner Zeit und ein bedeutender Führer des religiösen Zionismus.

Die Konzeption von "Beit David"

Da "Beit David" weit von einem Talmud-Studienzentrum in der Altstadt entfernt war, baute man die Anlage mit einer Synagoge und 10 Appartments. So war immer die Anwesenheit von 10 Männern, die für den synagogalen Gottesdienst nötig sind, gewährt. Das Haus diente auch als Yeshiva (Talmud-Studienzentrum) und dieses Lehrhaus wurde ein wichtiges geistliches Zentrum für Torastudien. Kook gründete das Oberrabbinat in Israel und war Israels erster Oberrabbiner von 1921-1935. Auf der Westseite des Gebäudes führt ein Tor in die ungepflegte Gartenanlage, in der ein Treppe in den zweiten Stock führt. Das "Rabbi Kook-Haus" ist heute ein Museum.



Infotafel über Rabbi Avraham Yitzak HaCohen Kook (1865-1935)

 

Das Museum

Über den Haupteingang in die Wohnanlage kommt man in einen Hof, der zum parterre liegenden "Museum der Psalmen" führt. Hier werden Gemälde des Malers Moshe Tzvi HaLevi Berger, einem Maler und Kabbalisten, ausgestellt. Im Hof, der zum "Museum der Psalmen" führt, frei einsehbar und gewährte einen netten Blick auf die Anlage. 


 das 1873 erbaute Beit David - Blick durch den Haupteingang auf den Innenhof und das Museum der Psalmen

 

 

das 1873 erbaute Beit David - die Nordseite



das 1873 erbaute Beit David - die rechte Seite weist nach Osten



Westlicher Treppenaufgang zu Rabbi Kooks Haus im 2. Stockwerk (Museum)



"Bucharisches Viertel" in Jerusalem

Gründung des Bucharischen Viertels

In den 1870/80er Jahren gründeten die bucharischen Juden, die aus Turkesten stammten und nach Jerusalem kamen, das Bucharische Viertel außerhalb der Jerusalemer Altstadt. Sie kauften Grundstücke nordwestlich von Mea Schearum und bauten die ersten 40 Häuser.
Um ihr Viertel zu bauen, stellten sie einen Städteplaner an, den sie anwiesen, das Viertel und die Häuser nach dem Vorbild der europäischen Großstädte zu bauen. Die geräumigen zweistöckigen Häuser standen an von Bäumen gesäumten 10,5 m breiten Boulevards. Die Nebenstraßen waren 5 Meter breit. Die Häuser sollten jeweils einen ganzen Block umfassen und um einen eleganten Hof gebaut sein.
Dennoch wurde weiter gebaut und bei den Anfängen des Staates Israel waren etwa 200 Gebäude errichtet worden.
Doch die soziale Struktur des Viertels wandelte sich. Ursprüngliche Bewohner zogen weg und etliche der großen Gebäude wurden in religiöse oder soziale Einrichtungen umgewandelt.

Besondere Gebäude im Bucharischen Viertel

Beit Yehudayoff-Hefetz

Einer der schönsten Gebäude ist das "Beit Yehudayoff-Hefetz" (Yehudahoff-Hefetz Haus) in der Esra Str. 19. Es wurde in den Jahren 1905-1914 von den wohlhabenden Kaufmannsfamilien der Yehudayoff und Hefetz errichtet und wurde wegen seines Luxus´ "Armon" (Palast) genannt. Heute beherbergt es zwei religiöse Mädchenschulen. Der 55 Meter lange Front ist im Stil der Neorenaissance erbaut. Die Fenster sind mit Bögen, Pilaster und Reliefs verziert. Das Flachdach ist von einem schmiedeeisernen Geländer umgeben, das mit Steinsäulen punktiert. Auf der obersten Etage befindet sich eine Synangogue.
Im ersten Weltkrieg hatte die türkische Armee hier ihren Sitz. Als die Briten 1917 Jerusalem eroberte, fand ein festlichen Empfang statt. 200 jüdische Soldaten, die in der britischen Armee dienten, feierten hier Passahfest. 1921 fand hier die Gründung des Oberrabbinats statt und die beiden Rabbiner Abraham Isaac Kook und Jacob Meir wurden in ihre Posten gewählt. Am Ende des britischen Mandats diente der "Armon" als Treffpunkt der Irgun.

Beit Davidoff

Das "Beit Davidoff" in der HaBukharim Straße Nr. 10 wurde von einem italienischen Architekten entworfen. Es spiegel einen Baustil wider, der häufig in der Toskana zu finden ist. Das Haus wurde von Joseph Davidoff kurz vor dem ersten Weltkrieg errichtet. Später wurden hier Bildungseinrichtungen untergebracht. Seit 1983 ist steht es leer.

Mosheyeff House

Das "Mosheyeff House" in der HaBukharim Str. Nr. 18 wurde von Simha Mosheyoff, dem ehemalige Leiter der jüdischen Gemeinde aus Turkestan gebaut. Es verfügt über vier Innenhöfe und seine Balkone und das Erdgeschoss sind mit Kolonnaden und Arkaden geschmückt. Im ersten Weltkrieg wurde es von den Türken beschlagnahmt und diente als Gefängnis. Nach der Gründung des Staates Israel beherbergte es Einwanderer. Heute sind im Gebäude mehrere kleine Werkstätten untergebracht.

Entwicklungen des Bucharischen Viertels

Vom späten 19. Jahrhundert bis zum ersten Weltkrieg war das Bucharkische Viertel eines der wohlhabendsten Gegenden Jerusalems. Die Bucharischen jüdischen Händler und religiösen Gelehrten lebten in erster Linie vom Handel mit Baumwolle, Edelsteinen und Tee nach Zentralasien und Russland. Nach dem ersten Weltkrieg und der Oktoberrevolution 1917 verfiel das Viertel jedoch, vor allem weil die Einkommensquellen versiegten. Die Einwohner behielten nur noch ihr Häuser in Jerusalem. Sie mußten sie in keinere Appartments aufteilen und die Zimmer vermieten, um so Einkommen zu haben.
Die Revolution brachte auch eine Flut von verarmten russischen jüdischen Flüchtlinge in die Nachbarschaft. Später kamen auch Juden aus Persien und Iran hinzu und das Viertel war stark überfüllt. Wurde einst das Bucharische Viertel als das reichste und schönste gepriesen, so ist es heute genau das Gegenteil. Es ist einer der ärmsten. Die vergangene Herrlichkeit kann zwar an einigen restaurierten Häusern erkannt werden, immer noch viele Gebäude sind baufällig oder liegen nur noch in Ruinen. Viele Häuser wurden in der Zwischenzeit abgerissen und sind modernen Bauten gewichen. Auch das Bevölkerungsprofil hat sich geändert: heute sind die meisten Bewohner ultra-orthodoxe Juden (Haredim).

Die Bucharischen Juden

Bucharische Juden kleiden sich noch heute nach alter Sitte. Sie tragen ihre asiatischen Gewänder und bleiben ihren Sitten ihrer asiatischen Vorfahren treu. Die Bucharischen Juden sind der Überzeugung, daß sie von der Nachfahren der Händer abstammen, die damals zur Zeit von König David bis nach Asien hin Handel trieben. Darüber hinaus stammen sie aus den Stämmen Asser und Naphtali, die von den Assyrern deportiert wurden und von Juden, die nach der Babylonischen Gefangenschaft nicht mehr nach Israel zurückkehrten.
Sie widerstanden der Assimilierung in der Ferne und wurden im Laufe der Zeit einer der reichsten Juden überhaupt.

Die Bucharische Synagoge

Nördlich der Jaffa-Straße führt die Natan Strauss-Straße direkt in de Hesekiel-Straße. Rechts an der Ecke zur "Rehov HaBucharim" steht die 1895 gegründete alte bucharische Synagoge "Baba Tama". Sie ist 7 Meter hoch und fast komplett in blau dekoriert, da die Bucharischen Juden der Meinung sind, daß Satan die Farbe blaut fürchtet.

Die Bilderserie

Die unten gezeigten Aufnahmen zeigen Impressionen der HaBucharim-Straße / Bezalel Ashkansim-Str. / HaRab Sommerfeld Str. bis zur Mea Shearim Str.


Das bucharische Viertel - vergrößerbar

Bucharisches Viertel auf der Höhe der Maleachistraße - Blickrichtung nach Osten


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar

die "Baba Tama Synagoge"


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar


Das bucharische Viertel - vergrößerbar



Usbekistan: Seit der Unabhängigkeit des Landes 1991 haben Tausende Juden das Land verlassen. Nun scheint der Exodus zu Ende zu sein. Ein Besuch in Buchara

von Elena Jerzdeva, Jutta Sommerbauer 20.11.2008 00:00 Uhr  jüdische Allgemeine Zeitung

Wäre da nicht das Klavierspiel und das zaghafte Einsetzen der Kinderstimmen in einen Chor, man würde den unscheinbaren Eingang zur Schule Nummer 36 glatt übersehen. Denn die hohen, graubraunen Mauern der Mahalla, des jüdischen Viertels von Buchara, lassen keinen Blick in die Innenhöfe der Häuser zu. Schwere Eisentore schützen vor ungebetenen Gästen im Labyrinth der verwinkelten Gässchen, nur einen Steinwurf entfernt vom berühmten Stadtplatz mit den belebten Teehäusern, dem Wasserbecken und dem prachtvollen Ensemble an Medressen und Moscheen.
Der Schritt über die Schwelle – mit dem rechten Fuß voran und über sie hinweg, wie es der Brauch verlangt – ist der Eintritt in eine andere Welt: Hat man die islamisch geprägte Außenwelt erst einmal hinter sich gelassen, steht man in dem akkuraten Innenhof einer jüdischen Schule. Weiß getünchte Hauswände, hellblau gestrichene Fensterrahmen, eine steile Holztreppe, die ins Obergeschoss führt. Die Wände des Schulhofes schmücken Bilder aus Israel und Kinderzeichnungen von Sukkot. Auch der autoritär regierende usbekische Präsident Islam Karimov tritt mit Sinnsprüchen in Erscheinung: »Unsere Kinder sollen besser, klüger, weiser und natürlich glücklicher werden, als wir es sind«, steht auf einer Tafel geschrieben. Darunter – ein Davidstern. »Wir sind eine allgemeinbildende Schule wie jede andere im Land auch«, betont Ljubov Sniadovich, die energische Schuldirektorin mit dem brünetten gewellten Haar. »Es gibt nur einen kleinen Unterschied: Unsere Schüler lernen zusätzlich Hebräisch, die Geschichte des Staates Israel und jüdische Kultur.« Unterrichtssprache ist Russisch. Mit der Unabhängigkeit von Usbekistan im Jahr 1991 wurde das jüdische Leben in Buchara wie auch in anderen Städten des Landes wiederbelebt: ein lang ersehnter Augenblick für die damals etwa rund 30.000 usbekischen Juden. Mit der Unabhängigkeit setzte jedoch auch der Exodus der jüdischen Bevölkerung ein – stärker als in den Jahrzehnten zuvor. Buchara ist ein typisches Beispiel hierfür: Von den gut 4.000 Juden, die noch vor 20 Jahren in der 250.000-Einwohner-Stadt lebten, sind nur etwa 300 geblieben. In Israel oder den USA gibt es mittlerweile größere Gemeinden bucharischer Juden als in Usbekistan. Vor einem Jahrhundert soll es in der Stadt noch mindestens sieben Synagogen gegeben haben, heute sind es zwei: Die Hauptsynagoge in der Sarrafon-Straße, die von der orthodoxen Chabad-Bewegung betrieben wird; und eine zweite, die in der Sowjetzeit als Gästehaus genutzt wurde. 1994 erhielt die Gemeinde diese Synagoge zurück. Im gleichen Jahr wurde auch die jüdische Schule eröffnet. Auch die Schule leide unter der starken Auswanderung, klagt Direktorin Ljubov Sniadovich. Nach der Gründung vor 14 Jahren durften hier zunächst nur Kinder lernen, die eine jüdische Mutter hatten. Mit der Emigrationswelle schrumpften die Klassen um die Hälfte. Dann nahm man auch Schüler auf, die nur einen jüdischen Vater hatten. Später, als auch mit diesen Kindern die Schule nicht zu füllen war, wurden Schüler aufgenommen, die nur entfernte jüdische Verwandte vorweisen konnten. »Wir haben es mit den religiösen Gesetzen nicht so eng genommen und eher pragmatisch gehandelt«, sagt Sniadovich. »Es ging darum, die Schule vor dem Aus zu retten.« Heute sind 40 der 140 Schüler muslimische Kinder. Auch sie lernen Hebräisch, jüdische Geschichte und machen bei allen jüdischen Festen und Feiertagen mit. Da passiert es schon einmal, dass die muslimischen Kinder zu Hause ein jüdisches Gebet aufsagen oder jüdische Lieder singen, berichten die Lehrerinnen. Die Eltern scheint dies nicht zu stören. »Unsere Schule hat einen guten Ruf«, meint Sniadovich. Eigentlich sind die bucharischen Juden für das Hochhalten der Tradition bekannt. Doch gleichzeitig war ihr Leben in den usbekischen Städten immer auch vom muslimischen Umfeld geprägt: Bevor in Buchara eine Synagoge gebaut wurde, beteten Juden zusammen mit Muslimen in der bis heute erhaltenen Maghoki-Attar-Moschee. Vor hundert Jahren trugen manche jüdische Frauen auch noch die Parandscha, den schweren, bodenlangen Umhang ihrer muslimischen Nachbarinnen. In der bucharischen Synagoge tief drinnen im jüdischen Viertel im Straßengewirr hinter dem Kukluk-Basar, einem Gemüsemarkt, wird gerade der Ausgang des Schabbats gefeiert. Etwa zehn Gemeindemitglieder sind in die kleine, bunt dekorierte Synagoge gekommen, die noch immer zu groß ist für so wenige Menschen. Der Frauenbereich bleibt leer. »Und die Galerie für die unverheirateten Mädchen sowieso«, erklärt der alte Gemeindevorsteher. Vielleicht nehmen es die Menschen hier deshalb nicht mehr so streng mit den Gemeindegrenzen. »Heute waren wir in der bucharischen Synagoge, nächste Woche gehen wir in die der Chabad-Bewegung«, sagt ein Mann. »Wir sind ja nur wenige. Wir feiern zusammen Hochzeiten, wenn sie kommen, und richten zusammen Begräbnisse aus, wenn einer von uns geht. Was soll uns da eine Glaubensrichtung kümmern?« Was die Juden in Buchara heute beschäftigt, sind vor allem wirtschaftliche Fragen. Für einen Laib Brot müssen sie umgerechnet 60 Cent zahlen; und das bei einem Durchschnittseinkommen von 100 Euro im Monat. Das Leben werde immer teurer, klagen sie. »Auch Israel schöpft nicht mehr aus dem Vollen«, vermutet einer. »Warum sonst kommen sie seit zwei Jahren nicht mehr für das Mittagessen in der jüdischen Schule auf?« Dort haben die Lehrerinnen im Erdgeschoss ein kleines Museum zur Geschichte der bucharischen Juden eingerichtet. Sie haben alte Fotos und Gebrauchsgegenstände zusammengetragen – und dabei selbst viel gelernt: Jüdische Pädagogen mit Hochschulabschluss gibt es keine mehr in Buchara. Und so versuchen heute Russinnen, Usbekinnen und Tatarinnen die jüdische Geschichte in der Stadt so weit wie möglich lebendig zu halten. Mitte des 18. Jahrhunderts, erzählt eine Lehrerin, kam es zu den ersten Zwangskonversionen der bucharischen Juden. Da viele von ihnen insgeheim weiter ihre Religion ausübten, nannte man sie »chala« – »weder Fisch noch Fleisch«. Die Buchara-Juden waren berühmt für ihr Handwerk: Sie webten und färbten edle Stoffe. Die Stadt lag an der berühmten alten Seidenstraße. Mit der Eroberung Zentralasiens durch Russland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gingen die goldenen Zeiten zu Ende. Die kleinen privaten Handwerksmanufakturen der Juden konnten mit den Billigstoffen aus den russischen Weberfabriken nicht konkurrieren. Die meisten versuchten sich sodann als kleine Händler, Schuster oder Friseure – einige wenige, die geblieben sind, üben ihr Handwerk bis heute aus. Hochgehalten wird auch die Erinnerung an die prominenten Vertreter der Gemeinde: Levi Babakhanov etwa, der jüdische Hofsänger des letzten Emirs von Buchara. Sein Enkel Ari unterrichtete 40 Jahre lang an der bucharischen Musikschule, bevor auch er vor kurzem nach Deutschland auswanderte. Schuldirektorin Sniadovich hofft, dass der Exodus der Gemeindemitglieder jetzt zu Ende ist. Wer heute noch da sei, werde bleiben, sagt sie. »Auch für Juden ist es schwieriger geworden, die Einreisebestimmungen zu erfüllen.« Außerdem gebe es Familien, die sich in Buchara wohlfühlen, ein eigenes Geschäft betreiben. Sie erhielten ab und zu finanzielle Hilfe von ausgewanderten Verwandten und wollten nicht mehr weg. Die Pausenglocke läutet, die Musikstunde ist zu Ende. Die Kinderstimmen erklingen nun lauter als zuvor beim Singen im Chor. »Solange noch zehn Kinder die Schule besuchen«, meint Liubov Sniadovich, »geht das jüdische Leben in Buchara weiter.«



"Galizische Siedlung" in Jerusalem



Wenn man von der Basarstr. nach Süden in die Habad-Str. einbiegt, kommt man nach einigen Metern an Stufen, die nach oben führen. Es geht auf diesem Weg auf eine Terrasse, die über den Dächern der Jerusalemer Altstadt angelegt ist.
Von hier aus hat man u.a. einen Blick auf den Turm der Evanglisch-Lutherischen Erlöserkirche, auf die Kuppel des Felsendoms, auf den Ölberg in der Ferne, aber auch auf eine etwas unansehliche Häuserzeile, die von Juden bewohnt wird. Daß Juden hier wohnen ist daran erkennbar, daß orthodoxe Juden auf den Dächern herumlaufen. Sie kommen aus dem Nichts und sind auf einmal spurlos verschwunden. Dabei gehen sie entweder in eines ihrer Häuser oder in die Synagoge. Das größte dieser Häuser ist nämlich eine Synagoge. Sie ist unter anderem an ihrem geneigten Dach zu erkennen.
Diese jüdische Häusergruppe, die sogenannte Galizische Siedlung, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jh. von Juden aus Galizien (Polen) gegründet. Zu dieser Zeit zwang die große Bevölkerungsdichte im jüdischen Viertel die Juden, sich auch außerhalb des Viertels niederzulassen. Einige siedelten sich außerhalb der Altstadtmauern an, andere bauten sich winzige Enklaven innerhalb des moslemischen Viertels bzw. an anderen Stellen der Altstadt. Zu einer dieser Enklave wurden die Bauten über den Dächern des arabischen Viertels.
Die Galizische Siedlung hatte auch seine Synagoge, und zwar in dem Gebäude, das auch heute noch als solches genutzt wird.
In den 1920er und 1930er Jahren kam es zu großen Spannungen zwischen Juden und Arabern, sodaß die Juden ihre Häuser im moslemischen Teil der Stadt aufgaben und sich ins jüdische Viertel zurückzogen.
Seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 sind religiöse und im allgemeinen extreme jüdische Gruppen darum bemüht, die jüdische Kontrolle über die ehemaligen jüdischen Besitzungen in den moslemischen Vierteln wiederzuerlangen. Dies ist ein kontroverses Unterfangen. Viele Israelis fürchten, daß die jüdisch-arabischen Beziehungen radikalere Züge annehmen, falls die Juden in das Herz des moslemischen Viertels vordringen. Die kleine jüdische Gruppe der galizischen Siedlung besteht aus einigen Familien, deren Leben sich um die renovierte und wieder eröffnete Synagoge herum abspielt.





Das "Russische Viertel" in Jerusalem
 

Das Russische Viertel begann sich im frühen 19. Jahrhundert mit der Eröffnung des ersten Krankenhauses für Pilger außerhalb der Mauern der Altstadt zu entwickeln. Dieses beherbergte gleichzeitg einen Markt für Pilger.
1858 wurde das gesamte Areal - es lag nur wenige hundert Meter nordwestlich der Altstadt entfernt - vom russischen Reich erworben. Das Gelände war ein ehemaliger osmanischer Reiterexerzierplatz gewesen und wurde nun mit einer großen und mächtigen Mauer umgeben.
Zwischen 1860-64 wurden auf der nordöstlichen Seite ein Hospiz für Frauen und das russische Konsulat gebaut. Im Südwesten entstanden ein Krankenhaus, die Residenz der russisch-orthodoxen religiösen Mission mit Wohnungen für den Archimandriten, die Priester und wohlhabenden Pilger. Dazu kam ein großes Hospiz für Männer mit insgesamt 2.000 Betten. 1860 begann der Bau Heilige-Dreieinigkeits-Kathedrale, die der russische Architek Martin Ivanovich Eppinger entworen hatte. 1872 wurde die Kirche, die nun zum Mittpunkt des Compounds wurde, eingeweiht.
1890 wurde das "Hospiz Sergej Imperial" eingeweiht, das als zusätzliche luxuriöse Unterkunft für reiche und Ehrengästen dienen sollte. Es wurde von Architekt Frank Gia entworfen, belegte 36.000 qm Land und wurde von Großfürst Sergej (1857-1905) in Auftrag gegeben, einem Bruder von Zar Alexander III., und damaliger Präsident der "Proslavischen Vereinigung Palästinas". Das herrliche Gebäude besteht komplett aus behauenem Stein und wurde von den Zeitungen als "einer der wunderbarsten Gebäuden in der Stadt" gelobt. Die 25 luxuriös eingerichteten Zimmer wurden als Unterkünfte für Aristokraten bestimmt.
Am Eingang des Komplexes befindet sich ein russisches Abzeichen mit den Worten des Propheten Jesaja (Jesaja 62,1): "Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht innehalten, bis seine Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz und sein Heil brenne wie eine Fackel."
Am 17.10.1964 verkaufte Rußland mit Ausnahme der Kathedrale und einem anderen Gebäude Haus alle Besitztümer für $ 3.500.000 an den Staat Israel.
Als Folge der russischen Oktoberrevolution von 1917 spaltete sich damals die russische-orthodoxe Kirche. Die russisch-orthodoxen Kirchen, die sich außerhalb Russland befanden, darunter das russische Viertel, die Maria-Magdalena-Kirche, die Alexander-Newsky-Kathedrale, das Gorny Kloster, und das Eleon-Kloster unterstellen sich der russisch-orthodoxen Kirche im Ausland.
Als sich 1992 die russisch-orthodoxen Kirchen vereinigten, forderte Rußland das russische Viertel wieder zurück. Israel zeigte Verständnis dafür, wies jedoch darauf hin, daß nach der Oktoberrevolution die kommunistische Regierung teure Torarollen, die jüdische Bibliothek in Ginsburg und die Sammlung von Rabbi Lubowitsch beschlagnahmt hatte.
2005 unterschrieben Ariel Sharon und Wladimir Putin ein Abkommen, daß Israel das russische Viertel komplett an Rußland zurückgeben werde.








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