" Masada" die Festung am Toten Meer


An der südlichen Westseite des Toten Meeres, genau gegenüber der Halbinsel Lisan, befindet sich einer der interessantesten archäologischen Stätten Israels: Die ehemalige jüdische Festung Masada (hebräisch: "Mezadá", "Festung"). Masada ist ein isolierter Tafelberg. Felsige Steilabhänge schützen ihn nach allen Seiten hin. Der Höhenunterschied beträgt nach Osten zum Toten Meer hin über 400 Meter, nach Westen sind es nur ca. 100 Meter Höhendiffenrenz. Der Gipfel des Berges wird durch eine Hochfläche gebildet, die in Form einer Raute ca. 300 x 600 m groß ist. Ursprünglich war das Plateau nur über drei schmale, leicht einsehbare Saumpfade zugänglich.

 

die Lage von Masada am Toten Meer


der Bau der Festung durch Herodes den Großen

Die Festung Masada wurde im Wesentlichen im Auftrag von König Herodes I. dem Großen (73-4 v.Chr.) erbaut. Etwa zwischen 39 v.Chr. und 31 v.Chr. wurde sie an der Stelle einer einige Jahrzehnte älteren und kleineren Festung in drei Phasen errichtet. Zu ihrer Zeit galt die Festung Masada als uneinnehmbar. Herodes ließ um das Plateau eine 1,3 km lange doppelwandige Befestigungsmauer mit fast 40 Türmen anlegen. Innerhalb der Festungsmauer baute er eine große Zahl weiterer Gebäude, unter anderem Lagerhäuser, Pferdeställe, eine Kommandantur, diverse Unterkünfte, Badehäuser, Schwimmbecken und Paläste. In den nördlichen Berghang ließ er als ein eigenes Bollwerk über mehrere Stufen den Nordpalast hinein geschlagenen. Er bot eine großartige Aussicht über die Judäische Wüste und mit seiner Nordausrichtung die klimatisch günstigste Position am Berg im Sommer. Der Palast war aus Kalkstein erbaut und mit Wandmalereien im pompejanischen Stil und zahlreichen Mosaiken ausgestattet. Auf seiner Ostseite lag das königliche Badehaus. Im Westen entstand der Westpalast für offizielle Anlässe. Die anderen Bauten waren auf der großen Fläche locker verstreut. Die sehr fruchtbare freie Fläche gab Herodes zur Bebauung frei. Um die Wüstenfestung problemlos auf über einen längeren Zeitraum hinweg verteidigen zu können, wurden große Nahrungsvorräte angelegt. Zur Wasserversorung wurden u.a. am nordwestlichen Hang zwölf große Zisternen auf dem Fels gehauen. Nach dem Tode von Herodes war über Jahrzehnte hier eine römische Garnison stationiert. Die jüdisches Festung im 1. Jh. und ihre Eroberung durch die Römer im Jahr 73 n.Chr. Im Jahr 66 n.Chr. kam es zum Ersten Jüdischen Krieg gegen die römische Besatzung. Eine Gruppe von jüdischen Zeloten (Sikariern) überraschte die römische Garnison auf Masada und nahm die Burg in einem Handstreich ein. Rebellen aus verschiedenen politischen Gruppierungen siedelten sich dann auf dem Gelände der Festung an, besonders nach der Zerstörung des Zweiten Tempels in Jerusalem durch Titus 70 n.Chr. Sie errichteten z.T. einige Wohnhäuser an den Kasematten und legten Ritualbäder an. Darüber hinaus nutzten sie bereits bestehende Gebäude und richteten hier eine Werkstatt, eine Synagoge, eine Bäckerei und Taubenhäuser ein. Im Herbst des Jahres 72 n.Chr. wurde Masada durch die Römer belagert. Die X. Legion mit ihren 15.000 Soldaten sowie ca. 5.000 Sklaven und Hilfssoldaten standen unter dem genialen Strategen und Befehlshaber Flavius Silva zum Angriff bereit. Mittels einer Rampe, die man in neun Monaten errichtete, gelang die Eroberung der jüdischen Festung im 2. Mai 73 n.Chr. Der römische Feldherr ließ den Berg mit einer über vier Kilometer langen Mauer umgeben, die durch acht Kastelle unterschiedlicher Größe gesichert wurde. Die Reste der Kastelle und der Mauer sind bis heute sichtbar. Anschließend schütteten die Römer an der niedrigeren Westseite der Festung eine noch immer gut erhaltene Belagerungsrampe auf, die schließlich bis 20 Meter unterhalb der Mauern der Festung reichte. Die Rampe setzt teils auf einer natürlichen geologischen Erhebung auf, was den Bau enorm verkürzt hat. Über diese Rampe führten sie Rammböcke und einen 30 Meter hohen Belagerungsturm an die Festung heran, um die Mauer zum Einsturz zu bringen. Der jüdische Geschichtsschreiber Flavius Josephus berichtet, daß die Belagerten unter Führung von Eleazar ben-Yair, als die Lage aussichtslos wurde, beschlossen, lieber als freie Menschen zu sterben als den Römern in die Hände zu fallen: „Ein ruhmvoller Tod ist besser als ein Leben im Elend.“ Per Los bestimmten sie einige Männer, die wechselseitig den Rest der Gruppe und anschließend sich selbst töten sollten. Als die römischen Soldaten die Festung stürmten, erwartete sie nur Totenstille: 960 Männer, Frauen und Kinder hatten sich getötet. Nur zwei Frauen und fünf Kinder hatten sich verborgen gehalten und konnten berichten, was geschehen war. Die Römer „bewunderten den Mut ihrer Entscheidung“.

Masada nach dem Fall im Jahr 73 n.Chr.

Nach dem Fall von Masada im Jahr 73 n.Chr. waren hier weiter über 40 Jahre römische Soldaten stationiert. Danach blieb das Plateau lange verlassen. Nachdem ein gewaltiges Erdbeben Masada erschütterte und die meisten Gebäude zerstört hatte, wurde der Berg erst wieder im 5. und 6. Jahrhundert durch christliche Mönche besiedelt. Sie erbauten u.a. eine Kirche, die zu den frühesten Kirchen im südlichen Judäa gehört. Die Reste der byzantinischen Kirche sind bis heute erhalten geblieben. Die Festung auf Masada geriet dann lange in Vergessenheit.

Masada wird im 19. Jh. wieder entdeckt

Die Existenz Masadas war aus den Schriften des Josephus bekannt. Doch seine Lage war vergessen worden.

Der deutsche Naturforscher Ulrich Seetzen sah es 1807 von seinem Boot auf dem Toten Meer, doch er verwechselte es mit Zif. Erst im Jahre 1838 wurde Masada durch die beiden amerikanischen Gelehrten Edward Robinson und E. Smith wieder entdeckt. Sie sahen es von En Gedi aus und identifizierten es richtig. 1842 bestiegen S.W. Wolcott und sein Zeichner W. Tipping erstmals wieder das Hochplateau und lieferten die ersten Nahbeschreibungen und Zeichnungen.

Die modernen Ausgrabungen

1955-56 führten die Israel Exploration Society eine erste Geländeaufnahme mit den besten israelischen Archäologen unter der Leitung von Nahman Avigad durch. 1963-1965 grub Yigael Yadin von der Hebräischen Universität Jerusalem mit Unterstützung andere Institutionen große Teile der Festungsanlage aus. Die Anlagen wurden weitestgehend freigelegt, zum Teil wieder aufgebaut und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

1989 führte Ehud Netzer von der Hebräischen Universität Jerusalem weitere Grabungen durch, gefolgt durch Arbeiten von E. Foester 1995 an der römischen Rampe und im römischen Lager "F". 1966 wurde Masada durch das Innenministerium zum Nationalpark erklärt. Seit 1971 führt eine 900 m lange Luftseilbahn, die Masadabahn, von -257 m auf das Gipfelplateau in 33 m NN. 1999 wurde eine neue Seilbahn in Betrieb genommen. Eine Brücke verbindet die Endstation mit dem Schlangenpfad-Tor. An der Talstation der Bahn wurde 2000 ein neuer Eingang mit einem kleinen Museum geschaffen.

Anreise

Masada ist von Jerusalem aus problemlos zu erreichen. Am zentralen Busbahnhof (Central Bus Station) fahren die Busse nach Masada ab. Die Strecke führt zunächst östlich in Richtung Jericho, dann geht es nach Süden am Toten Meer entlang bis zur Talstation der Seilbahn von Masada. Ein Besuch auf diesem Berg ist ein unvergeßliches Erlebnis.

 

Masada - Lage der Ruinen

 


auf der Strecke von Jerusalem nach Jericho

 


auf Meereshöhe

 

 


auf der Strecke von Jerusalem nach Jericho im Hintergrund das Tote Meer - Blickrichtung nach Südösten

 

Tankstelle im Norden des Toten Meeres

 


Anfahrt nach Masada von Norden her kommend

 



Anfahrt nach Masada von Norden her kommend 

 


Anfahrt nach Masada von Norden her kommend


 

Blick auf die Straße, die nach Qumran führt 

 


Anfahrt nach Nasada von Norden her kommend 

 


Blick auf das Tote Meer - Blickrichtung nach Südosten

 


erster Blick von Norden her kommend auf das Massiv von Masada

 


der Tafelberg Masada 

 


die Seilbahnstation 

 


die Hotelanlage neben der Seilbahnstation 

 


Seilbahnstation und römisches Lager

 



Blick auf das Tote Meer - Blickrichtung nach Nordosten

 


die Seilbahn

 


Blick auf das Tote Meer - Blickrichtung nach Osten

 


ein Modell der Festungsanlage 

 


die Kasemattenmauer - Blickrichtung nach Südosten 


der östliches "Aussichtspunkt" auf Masada


Ca. 300 Meter südliches des Schlangenpfadtores gibt einen östlichen Aussichtspunkt 

mit einem wunderbaren Blick auf das Tote Meer.

 

 

 die "Bäckerei" der Zeloten mit Ritualbad auf Masada


Die Um- und Anbauten der Zeloten an den herodianischen Kasematten. Herodes der Große hatte Masada mit einer doppelwandigen Kasemattenmauer umgeben. Als die Zeloten über Masada herrschten, richteten sie ihre Wohnungen in den Kasematten der Mauer ein. An einigen Stellen waren an den Kasematten sogar ein-fache Wohnungen vorgebaut worden. Um als fromme Juden ihren religiösen Vorschriften nachzukommen, versäumten es die Zeloten nicht, an diversen Stellen ihre Ritualbäder zu bauen. In einem südöstlichen Mauerabschnitt war einer der Mauertürme die es an der Mauer gab, als Bäckerei eingerichtet worden. Hier fand man einen Getreidekasten und eine Mühle. Auch hier hatten die Zeloten ein rituelles Bad installiert. Das rituelle jüdische Tauchbad sollte eigentlich im fließenden Wasser stattfinden. Für Reinigungen bei Wasserknappheit - wie z.B. hier auf Masada - hatten die Schriftgelehrten jedoch eine besondere wassersparende Methode entwickelt. Sie verbanden kultisch "unreines" Zisternenwasser mittels eines Kanales mit dem kultisch "reinem" Regenwasser. Auf diese Weise wurde auch das Zisternenwasser kultisch rein. Das rituelle Bad in der Bäckerei speiste sein Wasser über eine Zuleitung vom Dach her. Kultisch "reines" Regenwasser wurde in einem Becken gesammelt. Das eigentliche Badebassin war hauptsächlich mit "unreinem" Zisternenwasser angefüllt. Über eine Verbindungsröhre konnte Regenwasser beigemischt werden, so daß das Zisternenwasser kultisch brauchbar wurde. Das Dach dieses Turmes eignete sich gut als Aussichtsterrasse. Noch heute ergibt sich ein phantastischer Blick in die südliche Schlucht des Masadatals (Wadi Sebbe), ebenso auf den südlichen Abschnitt der römischen Belagerungswerke.

 


Turm an der Kasemattenmauer:


Die Zeloten hatte es in einer Bäckerei umfunktioniert und darüber hinaus ein Ritualbad installiert


 

Blick auf das südliche Bergmassiv

 


Südlicher Hof der Turmanlage - Blickrichtung nach Süden

sehr schön ist die doppelwandige Kasemattenmauer zu erkennen.

 


auf der zweiten Etage 

 


Blick nach Nordwesten - auf der Anhöhe befindet sich eine herodianische Villa

- die Flagge weht auf dem Gebäude der königlichen Familie



die große herodianische "Beamtenvilla" auf Masada

der herodianische Bau ca. 50 Meter südlich des Wachturms liegt eine große Beamtenvilla. Sie war von Herodes als Mehrfamilienwohnhaus konzipiert. Der quadratische Komplex hatte den typischen Mittenhof, der bei diesem Gebäude besonders groß ausfiel. Um den Mittelhof gruppierten sich nach Norden, Westen und Süden auf jeder Seite drei gleichgestaltige Wohnräume. Diese bestanden jeweils aus einem großen Vorraum, zwei kleinen Hinterräumen und einen Zugang zum Mittelhof. Diese getrennten Wohnungen zeigen, daß die Räume für Beamte oder Offiziere gedacht war. Die gehörten vermutlich zur bürokratischen Oberschicht, wie die Funde von Alabastergefäßen und Kosmetikgeräten nahe legen. An den beiden westlichen Ecken lagen Empfangsräume. Sie hatten einen Zugang nach außen und ihre Dächer wurden von vier Säulen getragen.


die Beamtenvilla zur Zeit der Zeloten

Auch zur Zeit der Zeloten wohnten führenden Leute hier. Das läßt eine der aufregendsten Funde in dieser Wohneinheit erkennen. Und zwar wurden in einem nördlich gelegene Raum wertvolle Münzen gefunden. Es waren neue silberne Schekel und Halbschekel, deren Aufschriften bis ins Jahr des Untergangs von Jerusalem, also 70 n.Chr., reichten. An der Villa errichteten die Zeloten viele Anbauten. So erweiterten sie die Außenmauern um viele kleine Wohneinheiten. Diese sind klar erkennbar, denn ihre viel schwächeren Fundamente heben sich deutlich von den herodianischen Mauern ab.

Die Beamtenvilla zur Zeit der Byzantiner

In der Mitte des Hofes wurden etliche Zellen gefunden. Lange Zeit hielt man sie für eine Kultstätte der römischen Besatzungstruppen, doch es sind Mönchszellen aus byzantinischer Zeit.

 



Grundriß der Beamtenvilla

 


die Beamtenvilla - Herodianischer Bau mit Anbauten der Zeloten Blickrichtung nach Süden

 


im Vordergrund: Die Beamtenvilla - Herodianischer Bau mit Anbauten der Zeloten Blickrichtung nach Süden

die "byzantinische Kirche" auf Masada


Nach der Eroberung Masadas durch die Römer im Jahr 73 n.Chr., blieb hier über 40 Jahre eine römische Garnison stationiert. In den folgenden Jahrhunderten war jedoch die Festung verlassen und erst im 5. Jh. n.Chr. siedelten sich hier byzantinische Mönche an. Aus dieser Zeit stammt die byzantinische Kirche, die ca. 100 m nordöstlich des Westpalastes steht. Der Vorraum war mit einen weißen Mosaikboden verlegt. Die Apsis des einschiffigen Kirchenraumes zeigte nach Osten. Im Norden der Kirche befand sich ein kleiner Nebenraum, dessen Wand mit einem besonderen Putz versehen war. Die Erbauer hatten Scherben und Stinchen in einfachen geometischen Mustern eingelassen. Der Mosaikboden zeigt 16 Medaillons mit schlichten Darstellungen von Pflanzen und Früchten.

 


Byzantinische Kirche - Blickrichtung nach Westen 

 


Byzantinische Kirche - Blickrichtung nach Osten 


 

die Apsis des byzantinische Kirche - Blickrichtung nach Osten 


 

Mosaik im nördlichen Seitenraum 

 


Mosaik im nördlichen Seitenraum 

 


Wandmosaik im nördlichen Seitenraum 


das "byzantinische Westtor" auf Masada

Nach der Eroberung Masadas durch die Römer im Jahr 73 n.Chr., blieb hier über 40 Jahre eine römische Garnison stationiert. In den folgenden Jahrhunderten war jedoch die Festung verlassen und erst im 5. Jh. n.Chr. siedelten sich hier byzantinische Mönche an. Aus dieser Zeit stammt das byzantinischen Westtor. Masada ist nämlich auch über die Westseite erreichbar. Ein schmaler Rampenpfad führt nach oben und endet an diesem byzantinischen Tor. Etwa viereinhalb Meter weiter nördlich lag das Tor, das Herodes in die Mauer der Große gebaut hatte, da es bereits zu seiner Zeit einen westlichen Aufstieg gab. Noch etwas nördlicher ist die Stelle, an der die Römer die Mauer durchbrachen. Vom byzantinischen Westtor sind es nur noch wenige Meter bis zum herodianischen Westpalast.

 


Byzantinisches Tor auf der Westseite mit Blick auf den Gerberturm (rechts) 


der "Gerberturm" auf Masada

In dem Abschnitt der Kasemattenmauer westlich vom herodianischen Westpalast erhebt sich ein Turm, der sogenannte Gerberturm. Sein Name rührt daher, daß in seinem Erdgeschoß eine Gerberei entdeckt wurde. In den Wänden sind Becken eingebaut, in denen die notwendigen Flüssigkeiten gelagert wurden.

 


der Gerberturm - westliches des herodianischen Westpalastes


die herodianischen "Lagerhallen" auf Masada

Herodes der Große hatte südlich seines Nordpalastes auf einem weiten Areal seinen Palast-Speicherbereich anlegen lassen. Um im Notfall eine lange Belagerungszeit überstehen zu können, waren in großen Lagerhallen Lebensmittelvorräte für viele Jahre, Waffen aller Art, Roheisen, Kupfer und Blei gelagert.

Diese Lagerhallen sind leicht zu erkennen und standen in zwei Bereichen, die durch einen Korridor in Ost-West-Richtung getrennt waren: der kleinere Bereich lag im Norden. Hier befand sich auch die römische Therme, die ganz auf der westlichen Seite angelegt war. Der größere Lagerbereich lag im Süden. Beide Lagerhallengruppen bestanden aus länglichen Hallen: 4 in der Nordgruppe und 10 im der Südgruppe. Sie maßen jeweils 26 x 4 Meter und waren in einer nordsüdlicher Ausrichtung nebeneinander angeordnet. Die Hallen waren durch parallele Wände getrennt. Sie waren ca. 3,3 Meter hoch und 0,6 Meter dick. Die beiden Bereiche waren von langen Korridoren umgeben, die auch gut als Lager genutzt werden konnten.


die Lagerhallen und die Zeloten

Als die Zeloten ca. ein Jahrhundert später im Jahr 66 n.Chr. die Festung im Handstreich nahmen, fanden sie die Lagerhäuser wohlversorgt vor. Die Ausgrabungen ließen erkennen, daß die Dächer durch einen Brand zerstört worden waren. Die Hunderte von Keramikgefäße waren absichtlich von den Zeloten zerstört worden, um sie nicht in die Hände der Römer fallen zu lassen. Die Gefäße enthielten Öl, Wein und Mehl. Hunderte von Krügen trugen aramäische und hebräische Inschriften, die sich auf deren Inhalt beziehen und aus den Jahren 66 bis 73. n.Chr. stammen. Auf einigen Gefäßen stand aber nur der hebräischer Buchstabe Taf, der erste Buchstabe des Wortes "Terumá", andere trugen die Aufschrift "Maaser Cohen". Beides deutet darauf hin, daß man zur Zeit der Zeloten den priesterlichen Zehnten, wie er in der Mischna vorgeschrieben war, gegeben hat. In jeder Halle wurde nur eine Gefäßart gefunden. In einer Halle fand man drei kreisförmigen Gruben im Boden, die wahrscheinlich dazu dienten, Flüssigkeiten in Gefäße abzufüllen. In den Lagerhallen wurden keinerlei Waffen gefunden, jedoch eine Menge an Zinn und anderer Metalle. Es fanden sich auch Hunderte von Bronzemünzen, die verstreut auf dem Boden lagen und in das zweite und dritte Jahr des jüdischen Aufstandes verwiesen. Vielleicht dienten sie als Gutscheine für die rationierten Lebensmittel.


die Lagerhallen heute

Als die Lagerräume in der Neuzeit ausgegraben, waren sie ein pures Geröllfeld. In der Zwischenzeit wurden jedoch eine ganze Reihe von Zwischenwänden wieder hochgezogen; nur die Dächer wurden nicht wieder errichtet.

 


Lagerhallen - Grafik

 


Lagerhallen - Modell 

 


Blick auf die Verwaltungsgebäude - Blickrichtung nach Osten


Das Gebäude mit den beiden Fenstern ist die Westwand der Kommandantenkanzelei



Blick auf die Verwaltungsgebäude - Blickrichtung nach Norden


Das Gebäude mit den vier Mauerdurchbrüchen ist die Südwand der römische Therme

 

 

Lagerhallen - links der Wachturm - Blickrichtung nach Südosten

 


Lagerhallen mit den restaurierten Wänden

 


Lagerhallen - Blickrichtung nach Nordnordwesten

 


Lagerhallen - Blickrichtung nach Süden - im Hintergrund der Wachturm - rechts die römische Therme


die "jüdischen Ritualbäder" auf Masada

Fundorte auf Masada

An verschiedenen Stellen auf Masada wurden jüdische Ritualbäder (hebräisch: Mikwe) gefunden.

1) Das erste wurde an der Südmauer entdeckt,

2) ein zweites fand man im nördlichen Verwaltungsgebäude,

3) eine weitere in der Bäckerei an der Ostseite der Mauer.

Diese Mikwes zählen zu den ältesten ihrer Art, die man bisher weltweit gefunden hat.

Beschreibung der Ritualbäder

Die Bäder auf Masada wurden streng nach den jüdischen Vorschriften gebaut, wie sie später im Talmud festgehalten wurde. Eine Ritualbadanlage bestand aus drei Becken:

1) dem Sammelbecken für Regenwasser, das den orthodoxen Juden als rein galt,

2) dem Becken für die Hand und Fußwaschung vor der Zeremonie und

3) dem eigentlichen rituellen Tauchbecken.

Der Sinn dieser Anlage war nicht, sich körperlich zu reinigen - das machte man in einem Badehaus - sondern kultisch "rein" und somit kultfähig zu werden. Zur Zeit des Tempels war diese Kultfähigkeit äußerst wichtig. Wenn man einen Toten (vgl. Numeri 19) oder "unreine" Gegenstände berührt hatte, oder wenn man an irgendwelchen Ausflüssen litt (vgl. Leviticus 11-15), mußte man sich reinigen, bevor man wieder an kultischen Feierlichkeiten teilnehmen konnte. Das rituelle jüdische Tauchbad sollte eigentlich im fließenden Wasser stattfinden. Für Reinigungen bei Wasserknappheit - wie z.B. hier auf Masada - hatten die Schriftgelehrten jedoch eine besondere wassersparende Methode entwickelt. Sie verbanden kultisch "unreines" Zisternenwasser mittels eines Kanales mit dem kultisch "reinem" Regenwasser. Auf diese Weise wurde auch das Zisternenwasser kultisch rein. Diese Bäder zeigen, daß die Zeloten orthodoxe Juden waren, die sogar in der Abgeschiedenheit von Masada keine Mühe scheuten, um die rituellen Vorschriften der Torah genau zu erfüllen.

 


Grundriß der Ritualbadanlage im Süden auf Masada 

 


Grundriß der Ritualbadanlage im Hof der Verwaltungsgebäude 

 


Nördliche Ritualbadanlage im Hof der Verwaltungsgebäude 

 


Ritualbad in der östlich gelegenen Bäckerei 


die "Schriftrollenkasematte" auf Masada

Auf der Westseite, ein klein wenig südlich der Synagoge befindet sich die sogenannte Schriftrollenkasematte. Hier hatten römischen Soldaten nach der Eroberung ihre Beute zusammengetragen: Münzen, Sandalen, Textilien, Glasgeräte, Rollsteine und hunderte von Schleudersteinen. Auffällig war die große Zahl von beschriebenen Pergament- und Papyrusfragmenten. Sie zeigen, daß auf Masada verschiedene Sekten während der Belagerung zusammen wohnten. Besonders bemerkenswert war der Fund eines Soldzettel, der einem römischen Reiter der X. Legion gehörte. In dieser Kasematte ist sehr schön die Konstruktion der herodianischen Festungsmauer zu erkennen. Die Steinwände rechts und links bilden die Innen- bzw. die Außenwand der doppelwandigen Schutzmauer.

 


die doppelwandige Kasemattenmauer 


die "Synagoge" auf Masada

In der Nähe der Mauer, ca. 200 Meter nördlich des herodianischen Westpalastes, wurde eine Synagoge der Zeloten gefunden. Sehr wahrscheinlich, war dieser Bau bereits durch Herodes als Synagoge konzipiert worden, denn er war nach Jerusalem hin ausgerichtet. Die Römer nutzten später diesen Bau als Stall. Der herodianische Bau bestand aus einer doppelten Säulenreihe und Erdbänken. Vermutlich diente dieser Ort sowohl für den Gottesdienst als auch für einen allgemeinen Versammlungsort. Zur Zeit des Herodes war der Bau in der Mitte durch eine Mauer geteilt. In den Tagen der Zeloten wurde Steinbänke gebaut und die Nordwestecke verhängt. In dieser Ecke wurden unter dem Fußboden Schriftfragmente des 5. Buches Mose und des Propheten Hesekiel gefunden. Diese Synagoge ist die älteste, die bisher in Israel oder in der Welt überhaupt, gefunden wurde, und ist die einzige aus der Zeit des Zweiten Tempels.

 

 

das "Schwimmbad" auf Masada


das "Schwimmbad" auf Masada


das herodianische Schwimmbad

Herodes der Große legte ca. 50 Meter südöstlich des herodianischen Westpalastes ein großes Schwimmbad an. Die Form und Größe der Anlage, die benutzen Fliesen und die Stufen längs der ganzen Breite weisen darauf hin, daß dieses Becken als öffentliches Bad verwendet wurde. Die großzügige Anlage faßte 550 qm Wasser und die breite Treppe in das Wasserbecken ermöglichte das gleichzeitige Bad vieler Menschen. Am Rande der Treppe befanden sich Wände mit Nischen zum Ablegen von persönlichen Gegenständen.


das Schwimmbad zur Zeit der Zeloten

Auch zur Zeit der Zeloten war das Becken in Gebrauch, wie Münzfunde deutlich machen.

 

das große Schwimmbad westlich des herodianischen Westpalastes

 


das große "Wasserbecken" auf Masada


Im Süden auf Masada, wenige Meter nördlich der Südzitadelle, ließ Herodes einen großen rechteckigen Bau anlegen. Die Wände sind ca. 150 cm hoch und die Seiten 18 x 20 Meter lang. Eine Steintreppe führt zum Boden. Der Zweck des großen Baus ist leider unbekannt. Da die Seitenwände und der Boden verputzt waren, liegt die Vermutung nahe, das es sich um ein Wasserbecken handeln könnte. Es hätte ca. 550 Kubikmeter Wasser gefasst. Die Infotafel gibt an, es handle sich um ein Schwimmbad.

 

das südliche große Wasserbecken 

 

"Falsches Kolumbarium" auf Masada

An verschiedenen Stellen auf Masada befinden sich Rundbauten unüblichen Typus aus der Zeit des Herodes. In die Wände sind kleine Nischen gebaut, die zunächst an ein "Kolumbarium" (Taubenzucht) erinnern. Die Infotafeln geben auch an, dass es sich um Kolumbarien handelt.


Die Urnengräber

Man hat jedoch herausgefunden, daß hier unmöglich Tauben gehalten werden konnten, da die Nischen für die Taubenzucht viel zu klein sind. Die Probe aufs Exempel zeigte, daß Tauben nicht bereit waren, sich in diesen kleinen Zellen aufzuhalten. Deshalb deutete der israelische Archäologe Yigal Yadin diese "Kolumbarium" als Urnengräber für die Aschenreste nichtjüdischer Angehöriger, die in der Garnison des Herodes gedient hatten.

 

das falsche Kolumbarium - eigentlich sind es Urnengräber

 

das falsche Kolumbarium - eigentlich sind es Urnengräber

 

das falsche Kolumbarium auf der Ostseite des Plateaus - eigentlich sind es Urnengräber


die "Wohnungen der Zeloten" auf Masada

Die herodianische Kasemattenmauer

Die doppelwandige Befestigungsmauer auf Masada, die Herodes der Große errichten ließ, war ca. 1300 Meter lang und wies etwa 110 verschieden große Abteilungen (= Kasematten) auf (vgl. Bell 7,286f). In regelmäßigen Abständen ragten stärker gebaute Türme über die Mauer empor. In alle vier Windrichtungen öffneten sich befestigte Tore, die im Osten und Westen die beiden Zugänge auf das Plateau schützten und im Norden und Süden zu den Zisternen und Kellern führten.

die Bauten der Zeloten

Die Kasematten dienten den ca. 960 Zeloten, die sich auf die Burg geflüchtet hatten (vgl. Bell 7,399f) als Wohnungen und Unterkünfte. Die Überreste ihrer einfachen Ausrüstung sind bis heute weitgehend erhalten, so daß bei den Ausgrabungen z.B. Kücheneinrichtungen mit Öfen, Lagerräume, Werkstätten wie Schusterei und Bäckerei, viele private Gegenstände wie Kleider,Taschen, Lampen, Schmuckstücke, Kosmetikgeräte, Glaswaren usw., Reste von Lebensmittel und besonders alte Texte ans Tageslicht kamen. Südlich des Schlangenpfad-Tores, also am östlichen Mauerabschnitt, sind die zelotischen Ein- und Anbauten an den Kasematten besondern gut zu erkennen. Neben den Zwischenwänden, Stufen, Nischen, Wohneinrichtungen, und Öfen wurden auch immer wieder die schweren Rollsteine, die nicht mehr auf die Angreifer geworfen werden konnten, gefunden. Im sogenannten ==> Rebellenlager ist sehr gut erkennbar, wie zwei Türme und die Kasematten mit einfachsten Mitteln zu Wohnräumen umgestaltet wurden. An die Kasematten wurden schlichte Räume angebaut und so enstand für ca. 15 Familien Wohnraum. Bei den Ausgrabungen fand man hier viele alltägliche Gebrauchsge-genstände der Zeloten: z.B. einen Kasten mit Amphoren, einen Salzkorb mit Meßtassen, Münzen, Keramik und Lederartikel.

 

Wohnungen der Zeloten an der Kasemattenmauer

 

Wohungen der Zeloten an der Kasemattenmauer

 

Masada - die Kasemattenmauer des Herodes - Blickrichtung nach Norden

 


Los der Letzten    13.03.1967 SPIEGEL

Wie ein gestrandetes Gigantenschiff liegt der stellwandige Tafelberg in der Judäischen Wüste, 200 Meter breit, 580 Meter lang vom steinernen Bug zum Heck: die seit vierzehn Jahrhunderten öd gewordene Festung Masada am Westufer des Toten Meeres. Eine 200 Meter lange, aus Felsgeröll geschichtete Rampe führt an der Westseite zu dem dräuend entrückten Steinmassiv hinauf, Sie kündet von einer der tragischsten Episoden in der Vergangenheit Israels: 960 jüdische Patrioten glaubte der römische Feldherr Flavius Silva in den Mauern der Festung anzutreffen, als er in der Frühe des zweiten Passah-Tages im Jahre 3834 jüdischer Zeitrechnung (73 nach Christus) 9000 Legionäre zum Sturmangriff über die Rampe führte. Doch als die Soldaten in das Fort eindrangen, gewahrten sie, wie der Geschichtsschreiber Josephus berichtet, nur "schreckliche Öde, Feuersbrand und eine unheimliche Stille". Masadas Verteidiger hatten -- aus Furcht vor Sklaverei -- freiwillig den Tod gewählt. Es war der berühmteste Massenselbstmord der Geschichte. In einem großangelegten archäologischen Unternehmen haben 25 Fachgelehrte und insgesamt 4000 Helfer aus Israel und 27 anderen Ländern den Ort des heroischen Massakers wieder freigelegt. In einem umfassenden Expeditionsbericht zog der Jerusalemer Archäologie-Professor Yigael Yadin jetzt Bilanz über die Ausgrabung.  Lebensspuren aus fünf Jahrtausenden fanden die Archäologen auf dem zyklopischen Felsenkegel -- von der Zeit um 4000 vor Christus, als Nomaden in seinen Gesteinshöhlen Unterschlupf suchten, bis hin zum 6. Jahrhundert nach Christus, als byzantinische Mönche auf dem Plateau hausten. Vor allem aber galt das Augenmerk der Altertumsforscher den Resten jener Epoche, in der Masada zu einer Schlüsselstellung in der Auseinandersetzung zwischen Römern und Israeliten wurde: Im letzten vorchristlichen Jahrhundert ließ der Judenkönig Herodes der Große -- aus Furcht vor Aufständen und Invasoren -- den Tafelberg zu einer luxuriösen Fluchtburg ausbauen.> Im Jahre 4 vor Christus, nach dem Tod des Herodes, wurde die Einöd-Festung römische Garnison.> Im Jahre 66, als sich das auserwählte Volk gegen die Weltmacht Rom erhob, bemächtigten sich jüdische Aufständische ("Zeloten") der Festung, bis sie im Jahre 73 wieder von römischen Legionären besetzt wurde. Die Ausgrabung bestätigte bis ins De-tau, was von dem zeitgenössischen Geschichtsschreiber Josephus in einer Art Frontbericht über den Hergang jenes dramatischen Geschichtskapitels überliefert worden war. Wie sich einst Troja-Ausgräber Heinrich Schliemann an die Homer-Schilderung des Trojanischen Krieges gehalten hatte, so kannten auch die Archäologen in Masada "geradezu mit der Josephus-Ausgabe in der linken und dem Spaten in der rechten "Hand graben" (Yadin). Die reichhaltigsten Funde des Yadin-Teams stammen aus der Zeit, da König Herodes Masada als Zufluchtsort herrichten ließ. Den pompösen Wohnbau des Herrschers fanden die Forscher auf der strategisch günstigen Nordspitze des fast 400 Meter hoch aufragenden Flachgipfels. Geschützt vor der sengenden Sonne der Wüste und vor der Hitze des beständigen Südwinds türmt sich in drei Stufen die königliche Terrassen-Villa im Schatten des Berges. Dem königlichen Komfort dienten vier luxuriöse, mit marmoriertem Stuck verzierte Wohngemächer, eine runde Ruhehalle mit vergoldeten Säulen-Kapitellen und Mosaikboden, ein warmluftbeheiztes Bad sowie -- auf künstlicher Plattform über dem Abgrund -- ein Lustpavillon mit Blick aufs Tote Meer. Königsmacht demonstrierte der Herrscher in einem 3300 Quadratmeter überspannenden Palast auf der Westseite des Felsmassivs. In dem mit Trümmern, Asche und Bronzegerät überdeckten Boden des Audienz-Saals legten Yadin und seine Helfer noch die Zapflöcher frei, in denen die Pfosten des Thronhimmels verankert waren. Die wichtigste Anlage der Wüsten-Festung spürten die Ausgräber auf halber Höhe des Masada-Massivs auf -- ein kunstvolles System von Zisternen, " Genial" nannte Professor Yadin diese Anlage: Während der seltenen Regenfälle sammelte ein weitverzweigtes Netz von Dämmen und Kanälen fast jede Unze des vom Plateau abfließenden Wassers. Insgesamt 40 000 Kubikmeter Wasser faßten die aus dem Fels gehauenen Bassins -- genug, um die Felder im Süden des Hochfelsens zu bewässern und die Bäder der Burg sowie den zwanzig Schritte neben der Residenz gelegenen königlichen Swimmingpool zu füllen. In unmittelbarer Nähe solcher Relikte herodianischer Lebenslust fanden die Ausgräber die Zeugnisse des religiösen Umbruchs. Im Nordwesten des Bergplateaus, nahe der Wohnburg des Herodes und den dazugehörigen Lagerhäusern, blieben die Fundamente einer Synagoge erhalten. Und aus den Kasematten des 1300 Meter langen Ringwalls. der die Hochfläche umschloß, kamen hebräische Schriftrollen ans Licht, auf denen Teile der Bibel in der frühesten bislang bekannten Fassung lesbar sind. Die überwältigende Entdeckung der Masada-Expedition aber waren die Überreste jener Todesnacht im Jahre 73, als die Verteidiger Masadas kurz vor dem Ansturm der Römer ihre Frauen und Kinder und danach sich selber töteten. Als hätten die Aufständischen ihre Wohnstatt eben erst verlassen, fanden die Ausgräber am Boden der ärmlichen Hütten Tonkrüge, hölzerne Kämme und Löffel, Kosmetikfläschchen und irdene Tassen. Im Schutt lagen noch Dattelkerne, Walnüsse und Spuren von Salz. Die Wände über den Öfen waren noch vom Ruß geschwärzt, und in den meisten Behausungen lagen in einer Ecke verkohlte Bündel von Körben, Kleidern und Sandalen -- getreu der Schilderung des Frontberichters Josephus: "Sie rafften in der Eile ihre Habseligkeiten zusammen und zündeten sie an. Den Aufrührern von Masada war die Bedrohung jahrelang vor Augen gewesen. In Rufweite unterhalb der Kasematten, rings um die Bergfeste, hatte der Römer-General Flavius Silva acht Heerlager errichten lassen. 15 000 Legionäre, Gefangene und Sklaven mußten aus Balken und Geröll die Angriffsrampe schichten, über die Silva sodann einen gepanzerten Rammbock bis an die Wehrmauer schleppen ließ. Eleazar ben Ya'ir, Anführer der Masada -Verteidiger, wusste, was jüdischen Rebellen drohte: Deportation als Schlachtopfer zu den Zirkusspielen in Antiochia und Caesarea, als Sklaven in die Bergwerke am Sinai oder als Geiseln nach Rom. Als sich die Römer zum letzten Sturm anschickten, gab der Zeloten-Führer den Befehl zum Sippen- und Selbstmord. Zwischen Skeletten und verkohlten Habseligkeiten fanden die Archäologen noch elf Tonscherben mit Namen der Belagerten -- mutmaßlich die Lose, mit denen die letzten Männer (so der Bericht des Josephus) unter sich ausgemacht hatten, welcher von ihnen die übrigen zehn und dann sich selbst zu töten habe. "Selbst die Zynischen unter uns", schilderte Professor Yadin den Augenblick dieses Funds, "standen erstarrt und blickten voll Ehrfurcht auf das, was der Boden ihnen freigab." Nur zwei Frauen und fünf Kinder, die sich in einer Höhle versteckt gehalten hatten, entkamen dem Massaker von Masada und konnten vom Ende der Belagerung berichten. Der verzweiflungsvolle Selbstmord der Verteidiger wurde für das verstreute Volk der Juden zum Mythos eines stolzen Untergangs. Für das neugegründete Israel ist der Fels von Masada "Symbol des Mutes, Monument nationaler Größe" -- so Archäologe Yadin, der während der Kämpfe gegen die Arabische Liga 1948/49 Generalstabschef der israelischen Armee war. Israelische Rekruten leisten auf dem geschichtsträchtigen Berg ihren Fahneneid. Sie schwören: "Masada" soll niemals wieder fallen." Die Losung ist, angesichts der nahen israelisch-jordanischen Grenze, mehr als eine pathetische Reminiszenz: Ende vergangenen Jahres wurde die Wasserleitung, die von der neugegründeten Wüstenstadt Arad nach Masada führt, von arabischen Terroristen in die Luft gesprengt.


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