gebranntes Kind sucht das Feuer von Edvardson

Kurzbeschreibung

Obwohl dieses Buch sehr distanziert geschrieben ist, fand ich es fesselnd. Die Autorin spricht von sich in der dritten Person. Das Mädchen. Das ist natürlich typisch für Opferliteratur, für traumatisierte Menschen, die Opfer von Gewalt geworden sind. Man distanziert sich vom Geschehen. Gelesen habe ich dieses Buch, weil es mir als vergleichbar mit Ruth Klügers Weiter leben empfohlen wurde. Ich finde allerdings, die beiden Bücher haben beinahe nichts gemein. Beide Autorinnen waren in Auschwitz, beide hatten ein mehr als schwieriges Verhältnis zu ihrer neurotischen Mutter, beide sind literarisch gesehen über jeden Zweifel erhaben. Aber Ruth Klüger schreibt sehr viel persönlicher, traut sich viel näher an das Geschehene heran. Cordelia Edvardson ist die Tochter der Schriftstellerin Elisabeth Langgässer. Obwohl Langgässer sicherlich einige intelligente Bücher geschrieben hat, die ich nicht kenne, ist ihr Verhalten als Mutter und die Art, wie sie Gefühle ausdrückt, bestenfalls unreif zu nennen. Cordelia Edvardson ist nicht von einer heilen Welt nach Auschwitz gekommen, sondern aus einer schon gestörten Kindheit. Ihre Mutter war nicht in der Lage, ihr liebevoll oder auch nur umsorgend zu begegnen. Dieses Buch ist nicht chronologisch geschrieben. Kindheitserlebnisse und Auschwitzerlebnisse werden miteinander vermischt. Wer sich in griechischer Mythologie nur so rudimentär wie ich auskennt, versteht einige Analogien nur schwer. Obwohl die Autorin manchmal tief in die Gefühlswelt und Beweggründe des Mädchens herab steigt, verfälscht sie manche andere Stellen bis zu Unkenntlichkeit, behilft sich mit Mythen. Ich fand dieses Buch schrecklicher als andere Bücher von Überlebenden. Wahrscheinlich, weil es trauriger endet, verzweifelter. Die Spät-folgen werden in diesem Buch mehr als deutlich aufgezeigt. Mit Vergessen, wie es dem Mädchen in ihrer neuen Heimat in Schweden geraten wird, ist es nicht getan. Die unbändige Wut, die sie durch die vielen Übergriffe und die unmenschliche Behandlung, die ihr geschehen ist, in sich gespeichert hat, kann nicht einfach vergessen werden. Sie hat ihr ganzes Leben daran zu tragen.