dies ist nicht mein Land von Fleischmann

Kurzbeschreibung

Der stilistisch als Autobiographie gehaltene Roman "Dies ist nicht mein Land" reflektiert "typisch deutsche" Verhaltensweisen, die für den fast reibungslosen Ablauf der Massenmorde im "Dritten Reich" unabdingbare Voraussetzung waren und von der Ich-Erzählerin im Verhalten vieler Deutschen in der Nachkriegs-Bundesrepublik der 60er/70er Jahre, in ihren Verordnungen und Alltags-reglementierungen wieder aufgespürt werden. Beispiel ist für Lea Fleischmann der Schulbetrieb, in dem sie selber jahrelang verbeamtet (und damit abgesichert) war und den sie voll Abscheu endlich doch verlassen hat. Das Buch enthält sich jeder Weinerlichkeit und generellen, pauschlierenden Anklage. Es ist gut geschrieben, passagenweise (wo der Stoff es zuläßt) durchaus witzig und schildert auch heute noch treffende Beobachtungen des deutschen Alltags in menschlich-engagierter Weise. Ich kann das Buch deshalb nur weiterempfehlen - beispielsweise auch als Schullektüre!!! Denn es macht mit dem Geschehen im "Dritten Reich" sowie ansatzweise mit den psychologischen Hintergründen seiner Möglichkeit bekannt - leicht lesbar wie ein Roman und durchdacht wie die Philosophie von Adorno. Und es zeigt, inwiefern wir auch - allen "Schlußstrich"-Unkenrufen zum Trotz - heute noch "verantwortlich" für die Taten unserer Vorfahren sind: Was von uns verlangt werden kann und wird, ist, daß wir reflektieren, inwiefern wir Verhaltensweisen tradieren, die Massenmorde möglich werden ließen und bei Fortbestehen dieser Verhaltensweisen weiterhin befürchten lassen.