der eingebildete Jude von Finkielkraut

 Kurzbeschreibung 

Alain Finkielkrauts "eingebildeter Jude" hingegen ist ein quirliger Narziß: keine Kunstfigur, sondern eine äußerst lebendige Person, deren theatralische Verkleidungen der Autor Kostüm für Kostüm abstreift, um sie in der Rumpelkammer der Halluzinationen abzustellen. Freimütig gesteht der Autor: Der eingebildete Jude - c'est moi, oder richtiger: Ich habe ihn lange Zeit gespielt. "'Der Jude' war meine beste Nummer, das Originellste, was ich zu bieten hatte." Dieses provozierende Bekenntnis, das in immer neuen Variationen das ganze Buch durchzieht, mag den Antisemiten wie Musik in den Ohren klingen. Auch die deutsche Linke hat offenbar schon lange auf ein derartiges Geständnis gewartet. Als beispielsweise der Journalist Henryk M. Broder sich mit Aplomb nach Jerusalem verabschiedete, rief ihm da nicht in der linken Zeitschrift "Konkret" Hermann Peter Piwitt mit der Autorität des Schriftstellers hinterher: "Lernen wir, unbefangen zu sein ... wir haben noch immer nicht restlos (!) gelernt, Juden bzw. Israelis für ganz normale Menschen zu nehmen." Broder war das egal, nur den hessischen CDU-Chef Dregger hat der in dem Nachruf steckende Eifer, wenn auch mit Verzögerung, beeindruckt. So war kürzlich von Dregger zu hören: "Ich rufe alle Deutschen auf, aus dem Schatten Hitlers herauszutreten - wir müssen normal werden!"