das Selbstporträt des Jürgen Bartsch  von Moor Paul

Kurzbeschreibung

Im Juni 1966 berichteten alle deutschen Zeitungen auf Seite eins über die Verhaftung eines 19jährigen Metzgergesellen namens Jürgen Bartsch, der zwischen 1962 und 1966 auf unvorstellbar grausame Weise vier Schuljungen missbraucht und zu Tode gequält hatte. Paul Moor nimmt als Korrespondent und Berichterstatter an dem Prozess in Wuppertal teil und beginnt infolge dessen eine Korrespondenz mit dem Angeklagten. Und Jürgen Bartsch fasst Vertrauen. Er antwortet und schreibt sich alles von der Seele, was ihn zum Opfer und zum Täter gemacht hat. In über 8 Jahren, bis kurz vor Bartschs Tod, sammelt Paul Moor Hunderte von Briefen - das erschütternde Selbstbildnis eines vierfachen Kindermörders, wie es die Literatur bislang nicht kannte. Mittlerweile existieren drei Bühnenfassungen dieses verstörenden "document humain", die erfolgreich gespielt werden.

Größtenteils durch die Briefe des Jürgen Bartsch, aber auch durch eigene Kommentare zeigt Paul Moor die Entwicklung eines Jugendlichen hin zum Mörder, eine Entwicklung, an der die Gesellschaft, dessen Teil der Mörder ist, nicht unbeteiligt sein kann. Wir erfahren von den sadistischen Erziehungsmethoden, denen Bartsch als Kind ausgesetzt war, von seinem Kampf gegen seinen eigenen Sadismus, von einem Pfarrer, dem Jürgen Bartsch seinen ersten Mord beichtet, dem es aber nur um Absolution und nicht um Heilung geht, von Richtern, die Bartsch verurteilen, noch ehe er auf der Anklagebank Platz nimmt.
Dennoch versucht Moor in keinster Weise die schrecklichen Taten zu rechtfertigen oder auch nur zu entschuldigen, er möchte sie verstehbar machen, und verstehen sollten wir, wenn wir verhindern möchten, daß sich solche Taten wiederholen.
Für eine kriminologische Seminararbeit über Sadismus ist dieses Buch eine große Hilfe und es kann auch darüber hinaus zum Nachdenken und Hinterfragen angeregt.