das Mädchenorchester in Ausschitz von Fénelon

Kurzbeschreibung

Musikerinnen, die buchstäblich um ihr Leben spielen mußten - Authentisches über den Holocaust. "Der Tod ist allgegenwärtig, die SS unberechenbar, fast 50 Frauen sind auf engstem Raum eingesperrt. Anschaulich transportiert Fénelon die unglaubliche Gefühlsintensität dieser Extremsituation. Mit viel Einfühlungsvermögen beschreibt sie die Beziehungen der Frauen untereinander. Höflichkeiten verlieren ihre Funktion, rohe Ehrlichkeit. Gegenseitig geben sie sich Halt, erleben Momente ausgelassen, bestehlen sich, schlagen sich. Hass und Eifersucht sind auf der Tagesordnung. Mit bewundernswerter Lebendigkeit und Leichtigkeit erzählt Fénelon Horror des Lagerlebens, aber auch von dessen freudigen Augenblicken." Bei einem Titel wie "Das Maedchenorchesters voin Auschwitz" mag sich der unbedarfte Leser an den Kopf fassen und fragen: ja, gab es denn so etwas? Antwort: ein solches Maedchenorchester, gebildet aus den musikalisch mehr oder weniger begabten weiblichen Insassen des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau gab es tatsaechlich, und dieses Buch erzaehlt seine Geschichte. Dargestellt wird diese Geschichte in romanhafter Form auf dem Hintergrund der Erinnerungen der franzoesischen Musikerin Fania Fenelon, die als Widerstandskaempferin nach Birkenau kommt und wegen ihrer Faehigkeit Arien aus der Puccini-Oper "Madame Butterfly" zu singen, in das Orchester Aufnahme findet. Dirigentin des Orchesters ist die Halbjuedin Alma Rose, eine Nichte von Gustav Mahler, gebildet wird es aus Juedinnen, Polen, Russen, Litauern und Angehoerigen anderer Nationen wie der Autorin selsbt. Sie alle haben jenseits ihrer muskalischen Passion nur eines gemeinsam haben: sie wollen im Schutz der Privilegein, die die Zugehoerigkeit zu diesem Orchester bietet, ueberleben. Zu diesen Privilegien, fuer die die Anghoerigen des Lagers die Orchestermusikerinnen hassen, gehoeren: das Schlafen im Warmen, der Toiletten-besuch bei Bedarf, die Befreiung von den Zaehlappellen und vor allem: die Aussicht, nicht ohne Weiteres in die Gaskammer geschickt zu werden. Alles aber haengt ab den von musikalischen Vorlieben und der Zufrieden-heit der KZ Fuehrung, des Lagerkommandanten Kramer, der Oberaufseherin Frau Mandel oder des Nazi-Arztes Mengele ab, die mit Allmacht und Absolutsmus wie Engel des Todes im Lager herrs-chen. Eine Zeitlang vor der Vernichtung geschuetzt, werden die Maedchen Zeuge unfassbarer Geschehnisse, die im Buch mit einer Eindring-lichkeit ausgebreitet werden, die Schmerzen bereitet. Haeftlinge werden von Hunden zerfleischt, waehrend das Orchester Mozart spielen muss, die Maedchen sehen Tausende von Frauen und Kinder nach dem Warschauer Aufstand vor ihren Barackenfenstern kampieren - am naechsten Morgen sind sie alle vergast. Sie werden Zeuge des heldenhaften Schicksals der Juedin Mala und ihres polnischen Geliebten Eidek und sehen die Oberaufseherin Frau Mandel ein kleines zauberhaftes Kind, dessen Mutter am Tage vorher vergast worden war, einige Tage lang wie ein Puppe verhaetscheln, ehe sie den kleinen Jungen eigenhaendig in die Gaskammer bringt. Waehrend der Gestank der Leichen Jahr fuer jahr die Luft ueber dem Lager vepestet, spielen sich auch innerhalb des Orchesters Tragoedien ab: die Orchesterleiterin Akma Rose wird von einer Konkurrentin vergiftet, manche Maedchen zerbrechen charakterlich unter dem Drcuk, werden Denunziantinnen oder Prostituierte. Auch zwischen den Natioanen und Religionen herrscht ein staendiger Krieg, der nur deswegen nicht weiter eskaliert, weil das Lager Ende 1944 geraeumt wird. In Bergen Belsen wird der Rest des Orchesters schliesslich in letzter Sekunde von einem englischen Kommando befreit. Insgesamt handelt es sich um eine schier unglaubliche Geschichte, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Mitunter wird es bei der minutioesen Schilderung der Lagerdetails so schlimm, dass man kaum noch weiterlesen kann. Doch wer das Unfassbare jenseits der ohnehin unfassbaren Zahlen wirklich verstehen will, der benoetigt Buecher wie das vorliegende, in denen das "Golgatha unserer Tage" (Papst Johannes Paul II) Konturen Namen und Gesicher erhaelt.