Bartsch Jürgen das Selbstporträt von Moor

Kurzbeschreibung

Größtenteils durch die Briefe des Jürgen Bartsch, aber auch durch eigene Kommentare zeigt Paul Moor die Entwicklung eines Jugendlichen hin zum Mörder, eine Entwicklung, an der die Gesellschaft, dessen Teil der Mörder ist, nicht unbeteiligt sein kann. Wir erfahren von den sadistischen Erziehungsmethoden, denen Bartsch als Kind ausgesetzt war, von seinem Kampf gegen seinen eigenen Sadismus, von einem Pfarrer, dem Jürgen Bartsch seinen ersten Mord beichtet, dem es aber nur um Absolution und nicht um Heilung geht, von Richtern, die Bartsch verurteilen, noch ehe er auf der Anklagebank Platz nimmt. Dennoch versucht Moor in keinster Weise die schrecklichen Taten zu rechtfertigen oder auch nur zu entschuldigen, er möchte sie verstehbar machen, und verstehen sollten wir, wenn wir verhindern möchten, daß sich solche Taten wiederholen. Als im Juni 1966 der Serienmörder Jürgen Bartsch festgenommen wurde, löste das kollektive hysterische Reaktionen in der westdeutschen Öffentlichkeit aus, wie es sie so seit dem Fall Haarmann nicht mehr gegeben hatte. Die Öffentlichkeit zeigte sich Bartschs Taten gegenüber völlig verständnislos und schockiert und es erschienen nahezu ausschließlich voraus verurteilende Zeitungsartikel, in denen sich die Schreiber darüber verwunderten, dass ein Mensch, der in vorgeblich soliden Verhältnissen aufwächst, sich zu solch einer Bestie entwickeln kann. Paul Moor wurde stutzig, als er in den Zeitungsberichten las, dass Bartsch bis zum Tag seiner Verhaftung von seiner Adoptivmutter gebadet wurde, denn zu diesem Zeitpunkt war Jürgen Bartsch bereits neunzehn Jahre alt.